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DAS THEMA

Russland auf autoritärem Pfad
Heft 7/8 | 2016

Golineh Atai

Angst ist unser Lebensgefühl

Foto: picture-alliance/dpa

Eine Reise nach Tschetschenien
 

Sie sehen die vielen schönen neuen Gebäude hier. Aber wissen Sie – der Apfel wird von innen faul.« Die Augen schauen nervös hin und her, es scheint uns niemand zu beobachten, ein kurzer Moment der Freiheit, und ich habe den Eindruck, als ob mir jemand ganz schnell ganz viel erzählen will. »Die Armut hier werden Sie nicht zu sehen bekommen. Mein Viertel kann ich ihnen nicht zeigen. Hier sind doch 70 % der Menschen arbeitslos. Manchmal sind wir Tschetschenen so wütend, dass wir auf die Straße gehen und schreien wollen, einfach nur schreien, über die Ungerechtigkeit, die uns jeden Tag widerfährt. Aber es wird sicher einen Machtwechsel geben. Und falls Ramsan Kadyrow entkommt und auswandert, dann rächen wir uns an seiner Clique. Sie erniedrigen die Menschen. Haben Sie gesehen, wie ein junger Mann in seiner Unterhose auf ein Laufband gestellt wurde und dabei Putin loben musste? Haben Sie gesehen, wie Kadyrow eine Frau, die ihn kritisiert hatte, vor ihrem Ehemann im Staatsfernsehen demütigte, bis sie Reue zeigte? Und dann diese riesigen Demonstrationen für Kadyrow – da werden doch alle hingeschleppt.Wir müssen dahin, sonst bekommen wir Lohnabzug, werden entlassen. Das ist alles nur ein Karneval.«
         Der Mensch, von dem ich diese Worte höre, wäre in Lebensgefahr, wenn ich seine Identität preisgäbe. Ich habe Folterspuren auf dem Körper gesehen. Nicht nur sein Leben, auch das Leben und die Würde seiner Familie wären in Gefahr.

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