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Editorial

Heft 12 | 2016

Thomas Meyer

Wir, die Redaktion der NG/FH, gratulieren Erhard Eppler, unserem langjährigen Autor und Inspirator vieler zukunftsweisender Debatten, die wir geführt haben, herzlich zu seinem 90. Geburtstag am 9. Dezember. Vor allem danken wir dem bedeutendsten Vordenker der Linken der letzten vier Jahrzehnte für die beständige Ermutigung, unbequemen Ideen und kontroversen Diskussionen unbeirrt von Tagesinteressen stets Raum zu geben. Lesen Sie in dieser Ausgabe die ausführliche Würdigung des Jubilars durch Sigmar Gabriel.
          Die Wahl des ebenso impulsiven wie aggressiven Außenseiters Donald Trump zum Präsidenten der Weltmacht USA hat zunächst alle überrascht, doch dann fanden die meisten sogleich anscheinend »naheliegende« Erklärungen dafür. Auch die scheinbar abwegigen unter ihnen verdienen freilich unsere genaueste Beachtung, denn fast alle benennen Ursachen für diese beispiellose Überrumpelung einer demokratischen Öffentlichkeit, die auch in Europa wirksam – wenn auch oft nicht an der Oberfläche sichtbar – sind. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die erneut ohne Vision kandidieren will, verkörpert mehr als einen dieser Problemfaktoren fast idealtypisch: die Polarisierung, die soziale Kälte in Europa, die Unerreichbarkeit, den Mangel an Orientierungskraft, die beharrliche Verweigerung einer öffentlichen Begründung für das, was sie tut. Alles Wasser auf die Mühlen der Verdrossenen und Empörten.
          Was auch immer der amerikanische Wüterich im Amt des Präsidenten von dem realisieren wird, was er als Kandidat angedroht oder angedeutet hat – fast jede Volte ist ihm ja zuzutrauen –, er hat bereits begonnen, zusätzliche Konfusion in die ohnehin fragile und unklare Weltunordnung, dem Thema dieser Ausgabe, hineinzutragen. Fast alles, was diese »neue Ordnung« heute ausmacht, ist in uneindeutiger Bewegung begriffen – und einige der problematischsten Akteure wie Wladimir Putin und Baschar al-Assad wittern nun Morgenluft. Das aufsteigende China ist auf der Suche nach einer Rolle, die seinem neuen Rang unter den großen Mächten entspricht, ausgestattet mit beträchtlicher Empfindlichkeit gegenüber wirklicher oder bloß wahrgenommener Geringschätzung. Das schafft Anlässe für Missverständnisse, Anerkennungskämpfe und Konflikte mit weltweitem Risikopotenzial, vor allem im Hinblick auf die teils reale, teils nahezu fiktive Welt der Mikroinseln im Südchinesischen Meer. Und Russland erschüttert mit seinem Willen zur Weltmacht die fragile europäische Friedensordnung. Wir bringen Darstellungen des großen, irritierenden Bildes der globalen Verhältnisse ebenso wie ausgewählte Einzelanalysen.
 

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