Zur Startseite Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte - Aktuelle Ausgabe
 
 

Suche

Editorial

Heft 1/2 | 2017

Thomas Meyer

Ein erfreuliches Jahr 2017 wünschen Redaktion und Herausgeber all unseren Leserinnen und Lesern. Selten war die Zukunft der Welt am Beginn eines neuen Jahres so ungewiss wie diesmal. Wenn der neue amerikanische Präsident die politischen Linien durchzieht, die er in seinem Wahlkampf angekündigt und mit seinen teil­ weise erschreckenden Personalentscheidungen schon zu realisieren begonnen hat, und die berühmten checks and balances ihn nicht ausbremsen, dann werden die USA ein anderes Land sein und das Gefüge der Welt ins Rutschen geraten. Für Europa ist das ein existenzieller Weckruf, ohne Verzug seine volle Handlungsfähigkeit herzustellen.
        Die USA sind der Schwerpunkt dieser Ausgabe. Wir suchen nach den tiefer liegen­ den Ursachen des zu erwartenden politischen Umbruchs in der bisherigen Führungs­ macht des »Westens«. Klar ist, dass die Stimmungslage im Lande nicht überraschend entstand. Es sind vor allem zwei Entwicklungen, die seit mehr als einem Jahrzehnt nichts Gutes verhießen, aber ungehindert ihren Lauf nahmen. Die eine ist die Abkop­pelung eines großen Teils der Gesellschaft von Reichtum und Erfolgschancen des Landes und von der Hoffnung auf Besserung und persönlichen Aufstieg – der ameri­kanische Traum wurde in aller Stille, aber für die Betroffenen unter großen Schmerzen und mit wachsender Entfremdung, beerdigt. Die andere Ursache ist die Strategie der maßlosen Verfeindung und Verunglimpfung, die von der zunehmend radikaleren Rechten seit Beginn der Präsidentschaft Barack Obamas vorangetrieben wurde und die Republikanische Partei von Grund auf verändert hat. Es ist unwahrscheinlich, dass Donald Trump die Lage der Abgehängten mit seinen widersprüchlichen Vorstellun­gen ernsthaft verbessern kann, und es ist kaum zu erwarten, dass die in den für die checks and balances maßgeblichen Institutionen dominanten Republikaner den Wil­len und die Kraft zum wirkungsvollen Gegensteuern aufbringen werden.
        Das alles trägt zusätzlich zum ohnehin schon stark entwickelten Gefühl der Un­sicherheit bei, das auch hierzulande die Stimmung prägt. Noch ist offen, welchen Ein­fluss dies auf die Bundestagswahl im September haben wird. Die Rechtspopulis­ten werden die Lage zu nutzen versuchen. Aber nicht ihre Partei, sondern die tatsächlichen Probleme des Landes müssen zum Gegenstand der politischen Ausei­nandersetzung gemacht werden, mit klaren Alternativen und deutlichen Antworten. Unter diesen verdienen die Themen Gerechtigkeit, innere und soziale Sicherheit, Zuwanderung und Integration Schlüsselrollen. Wir werden in allen folgenden Aus­gaben bis zur Wahl zu dieser Debatte beitragen.


Folgen Sie uns auf: www.facebook.com/NeueGesellschaftFrankfurterHefte
 
Sie können die NG/FH auch digital lesen, als Browser-Version oder als App – für PC/Mac, Smartphone und Tablet.


Finde uns auf Facebook