Editorial |
|
Heft 7/8 | 2007 |
Der G8-Gipfel, glimpflich abgelaufen, wenn auch in wahrlich verzerrten Proportionen. Welch’ überdimensionierte Bühne für beide, die Weltregierungs-Darsteller als kreißender Berg, und die selbsternannten Weltenretter. Und dennoch, ein Hauch von Weltregierung lag schon über dem hochgerüsteten Ostseebad. Die USA haben in der Klimapolitik zur Gemeinsamkeit der Beratungen zurück gefunden. Mehr als nichts ist das, wie die Dinge liegen, allemal.
Europa aber braucht jetzt mehr als »ernsthafte Erwägungen«. Der Verfassungsentwurf wird von Monat zu Monat kleiner geredet. Das Weimarer Dreieck, einst als Zusatzmotor für die europäische Integration von seinen Konstrukteuren aus Polen, Frankreich und Deutschland ersonnen, ist ins Stottern geraten – oder gar schon abgewürgt? Kann es nach dem »Quadratwurzel«-Querschuss noch einmal flott gemacht werden? Wir gehen der Frage nach.
Das Internet, unser Thema. Welche Vielfalt von Möglichkeiten, welche Kluft zwischen den beinahe unbegrenzten Erwartungen der Enthusiasten und der keineswegs schlecht belegten Skepsis der Zweifler. Umberto Eco meinte, das weltweite Netz mit seiner gigantischen Vielfalt an Informations- und Kommunikationschancen für jene, die sie zu nutzen wissen, werde eine Klassenteilung in die Welt bringen, an der gemessen selbst der Kapitalismus
in seinen Hochzeiten ein Waisenknabe war.
Unsere Autoren stellen sich einigen der brisanten Fragen. Dabei zeigt sich, dass das Netz in vielerlei Hinsicht vorhandene Möglichkeiten nur potenziert. Demokratische Kontrollchancen auf der einen Seite, aber auch die Möglichkeiten extremistischer Agitation
und Koordination, zum Beispiel. Alles, wie gehabt, eine Frage der Nutzung also. Gerade weil es aber wie bei jeder Technik vor allem auf den Umgang ankommt, bleiben wache Debatten
zum Thema ein dauerndes Vehikel für eine verantwortliche Nutzungskultur. Die Analysen, Erkenntnisse und Erfahrungen unserer Autoren leisten Beiträge dazu.