Deutschland rückt nach links. So lauteten jüngst die Schlagzeilen. Kein Wunder, möchte man meinen, in Zeiten, da Unsicherheit allenthalben wächst, der Staat sich gelegentlich dünne macht, wo man am meisten auf ihn setzen möchte, und Ungleichheit empörende Ausmaße erreicht. Ein Linksruck als Zeichen der Hoffnung für eine gerechtere Politik? Sicher nicht unmittelbar. Diese linken Erwartungen richten sich ja beinahe ebenso auf die CDU, teils selbst die FDP, wie auf jene Parteien, die auf linke Fragen auch linke Antworten suchen. Ein Anknüpfungspunkt ist dieser Ruf nach Sicherheit und Gerechtigkeit für eine beherztere Politik der Sozialen Demokratie allemal, freilich nur, wenn dabei die Mitte nicht aus dem Blick gerät, denn die behält die sichere Mehrheit. Klimapolitik – die Sicherheitspolitik des 21. Jahrhunderts. Unser Thema reift hoch, nicht zu hoch freilich, wie die Befunde erweisen. Absehbar sind viele fundamentale Konflikte, Kämpfe ums blanke Überleben aus Wasser- und Nahrungsmangel, Ressourcenkonflikte, Migrantenströme, Wirtschaftskrisen, Umweltkatastrophen – alles in der konkreten Vorausschau nach Orten und Ursachenarten im Einzelnen vorab zu erkennen. Der größte Verlierer wiederum: der Süden. Aber davon profitiert diesmal der Norden nicht. Im Gegenteil. Sigmar Gabriel und Egon Bahr schreiten in ihrem Gespräch zur Sache den großen Horizont ab. Dabei wird über die Beschreibung der Gefahren hinaus eine lehrreiche Parallele zur Sicherheitspolitik der Entspannungsära sichtbar. Die Vermeidung weiterer Weltklimaverschlechterung ist ein gemeinsames Interesse aller, denn alle wären von ihr betroffen, wenn auch auf höchst verschiedene Art. Erforderlich ist folglich abermals eine Politik der gemeinsamen Sicherheit, diesmal ökologisch buchstabiert. Das kann die neue, dem Klimaschutz gewidmete Sicherheitspolitik, von ihrer traditionellen Vorgängerin lernen. So wie sich damals allmählich die Erkenntnis Bahn brach, dass Sicherheit nur noch gemeinsam zu erreichen ist, so muss heute die Einsicht das Handeln leiten, dass niemand gewinnen kann, wenn das Klima nicht mehr mitspielt.