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Editorial

Heft 10 | 2007

Thomas Meyer

Editorial

Zwei große Debatten beherrschen den politischen Herbst hierzulande. An sie knüpfen sich Entscheidungen des Bundestages, die Weichen für lange Wegstrecken der verunsicherten Republik stellen werden. Im Inneren geht es um die Bahnprivatisierung, draußen um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Beides nicht nur Projekte von großem materiellen Gewicht, sondern auch Richtungssymbole im Ringen um unser Selbstverständnis. Das eine Mal steht die Rolle öffentlicher Güter für die Elementarversorgung im modernen Sozialstaat zur Debatte, das andere Mal die Frage, was es heißt, mit der Selbstverpflichtung zur globalen Mitverantwortung auch dort Ernst zu machen, wo es wirklich weh tut. Es ist gut, dass der Streit zwischen und in allen Lagern anhält, denn es wäre leichtfertig so zu tun, als läge das Richtige beide Male auf der Hand. Ein Stück Rückkehr des Politischen in die üblichen Vollzüge des scheinbar Alternativlosen. Gut so.  Das Europa der Regionen. Unser Schwerpunkt aus Anlass des Themas der diesjährigen Frankfurter Buchmesse: Katalonien. Europa erweist sich zunehmend als neuartiger Suprastaat aus selbstbewussten Regionen. Und es wird selbst zur Schlüsselregion einer politischen Globalisierung, die mit der steten Vergrößerung ihrer Handlungseinheiten unvermeidlich, wie es scheint, die Gegenbewegung ins politisch Kleinteilige erzeugt. Unsere Autoren gehen beiden Fährten und ihren inneren Zusammenhängen nach. Dabei zeigt sich, dass die Regionalisierung oft zugleich Segen und Problem ist. Ihrem Kleinräumigen und Bunten, das Bürgerheimat und Lebensnähe sein kann, steht eine hartnäckige Ungleichheit der Lebenschancen gegenüber, die Vielerorts sogar wächst. Auch zeigt der Regionalismus, in Europa und anderswo, viele Gesichter, unschuldig und verständigungsorientiert das eine Mal, aggressiv und intransigent, gar gewaltbereit ein anderes Mal, und viele Facetten dazwischen.