Editorial |
Heft 1/2 | 2008 |
Die Redaktion wünscht ein gedeihliches Jahr 2008. Rückblick: Eine Neiddiskussion war die heißlaufende Debatte am Ende des vergangenen Jahres über frivole Managergehälter gewiss nicht.Zum Leerlauf muss sie nicht werden. Wenn große Wirtschaftskapitäne, Symbole des ganzen Systems, das Leistungsprinzip so hemmungslos dementieren, woher soll dann der Glaube an seine Fairness noch kommen? Legitimation und Leistungsgerechtigkeit sind aber keine sonntägliche Zier, sondern zentrale Produktivkräfte unserer Gesellschaft, keineswegs nur politisch und sozial, sondern ganz handfest auch ökonomisch. Wenn sich Unternehmensführungen, möglichst im stillen Winkel, einen Schluck aus der großen Pulle genehmigen, der alles übertrifft, was den soeben von ihr entlassenen hunderten von Mitarbeitern zugestanden hätte, ist die Grenze zur Sozialschädlichkeit eindeutig überschritten. Dabei geht es nicht um Gleichheit, die viel gescholtene, sondern um schlichte Vernunft. Alles nur populistisches Gerede, aus dem nichts Praktisches folgen kann? Warum eigentlich? Nahe läge doch etwa das Folgende: Mitwirkung der Aktionärsversammlung bei den Managerbezügen, Regress bei der Feststellung von Unangemessenheit, Begrenzung der steuerlichen Absetzbarkeit, Offenheit des ganzen Verfahrens.Dann wollen wir mal sehen.
Die USA haben die Wahl. Die schwankende Großmacht im Umbruch am Ende einer unheilvollen Ära. Unsere Autoren zeigen, dass die große Demokratie selbst wieder einmal im Begriff scheint, wie mit Achilles Lanze die Wunden zu heilen, die sie sich schlug. Im Lande selbst finden sich die schärfsten Kritiker der diesmal freilich besonders schlimmen Fehlentwicklungen. Aber auch die Kräfte zur fälligen Erneuerung. Der fehlgeleitete Missionseifer des scheidenden Präsidenten und seiner hochmütigen Beraterkreise hat nicht nur den Ruf der Supermacht in aller Welt lädiert und das moralische Kapital verschleudert, auf dem ihre globale Ausnahmerolle doch beruht. Er hat auch das Land im Inneren tief gespalten und auf Konfrontation gesetzt, wo Kooperation möglich war. Das traurige, keineswegs unvorhersehbare Erbe einer Politik, die sich von fundamentalistischer Versuchung nicht freihalten konnte.
Vieles spricht dafür, dass das Land nun mit gestärkter Überzeugungskraft zur Besonnenheit zurückkehrt, im Inneren und nach außen. Die maßgeblichen Akteure haben schon begonnen, aus dem Desaster die Lehren zu ziehen. Nicht, indem sie im Falle eines demokratischen Wahlsiegs den Spieß dann umkehren, sondern durch Wiedergewinnung von Maß und Klugheit. Auch Europa stellt sich auf erneuerte Partnerschaft ein.
