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Editorial

Heft 7/8 | 2008

Thomas Meyer

Europa kommt nicht zur Ruhe.Kaum schien nach dem deprimierenden Scheitern des Versuchs, dem historischen Einigungswerk endlich eine Verfassung zu geben, der Plan B nach mühsamen Händeln halbwegs gelungen, macht die irische Mehrheit, kein halbes Prozent der Bürger der Union, auch diese abgemagerte Hoffnung zunichte. Und nun, der Plan C? Nun wäre freilich einmal wieder ein großer Schritt nach vorn fällig, vielleicht als Kerneuropa, dem andere folgen, wenn sie soweit sind.

 

»Sorge um Israel«, unser Thema zum 60. Jahrestag der Gründung des Judenstaates. Wir danken herzlich Avi Primor, dem ehemaligen Botschafter Israels in der Bundesrepublik. Er steuert nicht nur den leitenden Essay zum Thema bei, sondern hat die Redaktion mit Rat und Tat unterstützt. Ihm und unserem Mitherausgeber Klaus Harpprecht, der sich dabei persönlich besonders engagiert hat, gilt der Dank der Redaktion.

 

Frieden im Nahen Osten ist möglich, trotz alledem. Das ist die zentrale Botschaft. Alle Bestrebungen wirklicher Verständigung zwischen den Konfliktparteien sind immer aufs Neue auf dieselben Kernpunkte einer Einigung gestoßen.

Avi Primor zeigt sie auf. Für sie findet sich in beiden Gesellschaften, der palästinensischen und der israelischen, überwältigende Zustimmung. Woran es fehlt, ist das Vertrauen, dass die beteiligten Akteure selbst die Kraft

aufbringen, sie ins Werk zu setzen und zuverlässig zu garantieren. Nicht an den Konzepten selbst, sondern an der Frage der dauerhaft zuverlässigen Gewährleistung ihrer Einlösung scheitern daher die Friedensbemühungen in einer Region, die  eigentlich längst schon zu erschöpft ist, um ihre bitteren Konflikte unbeirrt fortzuführen.

 

Begründet der Amtswechsel in den Vereinigten Staaten neue Hoffnung auf eine aktive Rolle der Großmacht, die letztlich allein glaubhafte Garantien geben könnte? Oder ist es an der Zeit, dass die EU das Vakuum füllt, das der amerikanische

Eskapismus der beiden Amtsperioden Bushs erzeugt hat? Wenn ja, wie?

 

Die Beiträge unserer Autoren zum Thema, Stimmen aus Israel, Palästina und Deutschland, beschränken sich nicht auf die große Strategie. Sie geben höchst aufschlussreiche Einblicke in Stimmungslagen und Befindlichkeiten der Region, in Erwartungen, Ansprüche und Ängste und, auf Seiten der Palästinenser, die tiefe Verbitterung.

 

Hausmitteilung: Ab sofort ist unsere neue Website zugänglich mit vielen neuen Funktionen einschließlich eines Diskussionsforums!

 

Während der Drucklegung erfahren wir vom Tod unserer langjährigen Freundin und Weggefährtin, Autorin und Beirätin unseres Blattes, Susanne Miller. Wir sagen großen Dank. Sie wird uns sehr fehlen. Die ausführliche Würdigung kommt im nächsten Heft.