Editorial |
Heft 3 | 2009 |
Die Krise ein Moloch – wie tief wird der Abgrund reichen? Immerhin,die Reflexe der maßgeblichen Politiker, hierzulande, fast überall in Europa und endlich auch in den USA scheinen verlässlich.Wo aber bleibt die Gemeinsamkeit der EU? Zuversichtlich stimmt vor allem der entschiedene Pragmatismus, mit dem der Staat überall seine selbstverständlichen Rechte wahrnimmt, damit er seine Pflichten erfüllen kann.Verstaatlichungen? Warum nicht, wenn das Gemeinwohl und die Genesung des von einer giftigen Überdosis Markt niedergestreckten Patienten es verlangen. Dass nun der Offenbarungseid des reinen Neoliberalismus in kurzer Frist dem der Planwirtschaft folgt, kann freilich letztere nicht rehabilitieren.Marx-Renaissance hin oder her, für das apokalyptische Anschärfen der Diagnose war bei dem Propheten aus Trier schon immer viel zu holen, für den Entwurf der historischen Alternative, die jetzt an der Zeit ist, so gut wie nichts.Dass die Märkte, die der Finanzen zumal, wesentlich effektiver und ohne Schlupflöcher reguliert werden müssen, national, regional und global, ist im Prinzip nichts Neues. Erfolgversprechende Instrumente dafür finden sich durchaus in den fortgeschrittensten Programmen der Sozialen Demokratie.Was fehlt, ist die weltweite Organisation der Akteurskonstellationen,um sie ins Werk zu setzen.Dafür sind die Bedingungen nun günstig wie nie.
Mut zur Vision: Thema dieses Heftes ist die Zukunft oder vielmehr die Fähigkeit der modernen Gesellschaft, das Nötigste von ihr zu wissen und sie ebbar zu gestalten. Einst lebte die Linke von verheißungsvollen Utopien, einer grandiosen Idee vom »Zukunftsstaat«, wie Bebel das nannte. Ist ihre heutige Misere nicht Folge des Verzichts darauf? Aber sind die großen Versprechen icht allesamt Täuschungen, bestenfalls Selbsttäuschungen in einer Zeit unüberschaubarer Verhältnisse, kaum nachvollziehbarer weltweiter Verflechtungen und rapiden Wandels? Ein veritables Dilemma oder nur ein Versäumnis?
Unsere Autoren erörtern den Fall. Sie verharren nicht beim Abstrakten.Wir präsentieren den Kern der handfesten Vision für ein soziales Deutschland 2020 einer Arbeitsgruppe der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die übrigen Beiträge zum Thema stellen Angemessenheit, Realismus und Machbarkeit dieser Vision zur Debatte.Wir setzen sie in den nächsten Heften fort. Auch wenn die großen Prognosen und Projekte oft bloß paradoxe Interventionen sind, die verhindern oder korrigieren sollen, was sie voraussagen, wenigstens als orientierender Vorsatz für das Handeln des Tages müssen Visionen doch möglich sein.Worum
sollte es im Wahljahr sonst gehen?
