Editorial |
Heft 10 | 2009 |
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Welch bittere Ironie,das Ergebnis dieser Bundestagswahl. Der fragwürdige, vermutlich tief ins Fleisch schneidende Richtungswechsel in der Bundespolitik, den es ermöglicht, geht überwiegend auf das Konto jener über 2 Mio. Ex-SPD Wähler, die sich diesmal nicht zur Wahl entschließen wollten. Dieses Ergebnis hat gewiss kaum einer von ihnen gewollt. Dennoch, gerade darin liegt nun die Chance der Genesung für den schwer gebeutelten Patienten SPD. Das unvermeidliche Erwachen der Enttäuschten schafft eine der Voraussetzungen für die nun überfällige Gesundung der Sozialdemokratie. Dafür muss sie sich nun allerdings auf die Ursachen der Entfremdung so vieler Wähler gründlich und ohne Scheuklappen besinnen. Dazu gehört zunächst die ernüchternde Erkenntnis, dass Vertrauen in annähernd gleichem Maße nach rechts und links verloren gegangen ist. Folglich können die simplen Parolen »mehr Mitte« oder »mehr links«, die nun von den Wunderheilern auf die Schnelle wieder aufgetischt werden, kaum verfangen. Solche Schnellschüsse sind ihr Pulver nicht wert.
Entfliehen kann die SPD ihrem strategischen Dilemma im neuen Fünf-Parteien-System nicht. Sie muss einen berzeugenden eigenen Weg zwischen den oberflächlich linksgewendeten Kräften der rechten Mitte und der bloß moralistisch anklagenden Linken finden. Eine schlichte Linksverschiebung brächte ihr nichts, gerade auch dann nicht, wenn sie mit der Partei »Die Linke« künftig anders umgehen will.Auch der abermalige Ruf nach der allerneuesten Mitte kann nicht verfangen, wenn das linke Terrain als Schonraum der politischen Konkurrenz überlassen wird.Die Chance der SPD liegt darin, dass sie das Bündnis zwischen Mitte und Unten verkörpert, profiliert und glaubhaft.
Im nächsten Heft beginnen wir mit einer gründlichen Debatte über die Ursachen der Krise und die Wege ihrer Überwindung.
Metropolen – das Thema dieser Ausgabe. Kein Zweifel, dass sich in den großen urbanen Ballungsräumen die Zukunft entscheidet. Nicht nur die ihrer immer zahlreicheren Bewohner in allen Teilen der Welt – drei Viertel der Weltbevölkerung schon zur Jahrhundertmitte – sondern diejenige aller Menschen. Denn was in ihnen und durch sie geschieht, ökologisch, wirtschaftlich, sozial, existenziell, wird über das Leben, mehr noch das Überleben aller bestimmen. Unsere Autoren beleuchten zentrale Facetten des vernachlässigten Themas.
Das Gastland der Buchmesse, China, Anlass für spannende Artikel ausgewiesener Kenner zu zwei ebenso aktuellen wie heiklen Themen:Wie weiter mit Chinas Minderheiten sowie Literatur und Politik des Landes.
