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Editorial

Heft 6 | 2010

Thomas Meyer

Der Euro wankt, Europa zittert. Deutschland als Zauderer und egozentrischer Bedenkenträger, das Prinzip Merkel also, bekommt der Gemeinschaft nicht gut. Schon wahr, Europa-Idealismus lässt sich nicht in der Retorte schaffen. Zu dem Quäntchen Klugheit aber, das es braucht, um zu sehen, dass auch größere Vorleistungen für Europa am Ende immer auch Investitionen in die Zukunft des wirtschaftlichen Hauptnutznießers der Union selber sind, sollte es noch reichen.Merkeln, abwarten, bis sich der Sturm gelegt hat, Erfolgsrezept der Kanzlerin, solange der sozialdemokratische Partner trieb und lenkte, darf nicht zur europäischen Krankheit werden. Jetzt muss schleunigst die Wirtschaftsregierung für die Eurozone her. Alles andere wäre verantwortungslos.Warum nur lässt sich die Politik ungebrochen von den wild gewordenen Finanzhaien vor sich hertreiben, statt sie mit harter Hand zu regulieren? Die Entschuldigungen sind nun alle verbraucht.

 

1965,1997, 2005 – Jahre, in denen die politische Koalitionsbildung an Rhein und Ruhr auf jeweils ganz unterschiedliche Art der Republik die Richtung wies. Sozialliberal, Rot-Grün, schließlich Schwarz-Gelb.Wohin wird 2010 führen? Die Lage ist diesmal vertrackter denn je.Der Chance einer gefestigten SPD mit erneuerter Glaubwürdigkeit hat sich ein doppeltes Risiko zugesellt. Eine abermalige Große Koalition birgt das Risiko eines sozialdemokratischen Rückschlags, ein linkes Lagerbündnis hätte durch die absehbaren Eskapaden der linksromantischen Chaoten für lange entlegitimiert, was unter besseren Bedingungen eine Machtalternative für das Land werden könnte.Vielleicht kommt in der scheinbar ausweglosen Situation das israelische Modell zurück in die Debatte, mit einem Wechsel im Ministerpräsidentenamt und im Übrigen einer gleichberechtigten Kooperation der Partner. 

 

Afrika, Thema dieser Ausgabe, Kontinent ohne Zukunft infolge der ungehemmten Gier seiner erbarmungslosen politischen Eliten, die ihren Gesellschaften wenig mehr bescheren als Siechtum,Unsicherheit und Millionen von Flüchtlingen, die aus schierer Not alles riskieren, um anderswo ein wenig Hoffnung zu gewinnen? Unsere Beiträge zeigen:Die Menschen des Kontinents, ihr Mut zum Überleben und ihre Kraft sind ein Potenzial, aus dem Besseres entstehen könnte,wenn die reiche Welt ihre Märkte öffnen und eine »Entwicklungspolitik « beenden würde, die die Stagnation und ihre Nutznießer subventioniert, statt die Gesellschaften zu mobilisieren.Die Verantwortung dafür kann der Westen, der dem Chaos einst so massiv den Weg bereitet hat, jedenfalls nicht abschütteln. 


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