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Das Thema

Feministische Momentaufnahmen
Heft 1/2 | 2011

Bettina Luise Rürup/Christina Schildmann

Boxkampf mit unsichtbarem Gegner
Feminismus heute

Der Feminismus hat die Gesellschaft grundlegend verändert. Er hat überkommene Vorstellungen, überholte Gesetze und die Grundpfeiler des Patriarchats weggespült. Doch eine – im Hinblick auf die Gleichstellung von Mann und Frau – perfekte Gesellschaft hat er nicht hinterlassen.Wo stehen wir also heute?

Frauen haben die besseren Bildungsabschlüsse, aber die schlechteren Karten auf dem Arbeitsmarkt. Frauen haben immer noch viel weniger Geld als Männer, dafür aber viel mehr Haushalt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist immer noch ein Wunschtraum, von Familie und Karriere ganz zu schweigen.Aufsichtsrats- und Führungsposten werden immer noch von einer konservativen männlichen Elite nach ihrem Ebenbild besetzt. Die Kanzlerin an der Spitze der Bundesrepublik ist eine feministische Fata Morgana, wer genauer auf die Regierung blickt, sieht,dass nur ein Viertel der Mitglieder am Kabinettstisch weiblich ist. Die Zeit wäre reif für einen neuen Schub in punkto Gleichstellung. Doch gerade auf diesem Gebiet scheint es keine Zwangsläufigkeiten zu geben; was auch immer hier regiert, es ist gewiss nicht die Vernunft.

 

Am Horizont droht der Fachkräftemangel, doch der nötige Blitzausbau von Kitas bleibt aus, so dass hoch qualifizierte Frauen weiter zuhause Bauklötze stapeln werden.Die schwedische Regierung hat im Rahmen der Debatte über die Reform des Elterngeldes erhoben: Familien, in denen sich die Eltern Erwerbsarbeit und Kindererziehung gerecht teilen, sind stabiler, die Beziehungen halten besser als die klassische Versorger-Hausfrau-Ehe. Dennoch liest man keine Pressemeldungen konservativer Familienorganisationen, die fordern, das Elterngeld 50/50 auf Vater und Mutter zu verteilen. Die Unternehmensberatung McKinsey fand heraus, dass die Unternehmen mit dem höchsten Frauenanteil im Top-Management am erfolgreichsten sind, dennoch hat sich noch keine Armee von Headhuntern in Bewegung gesetzt,um die hoch qualifizierten Frauen reihenweise für die Spitzenposten zu rekrutieren. Die Frauenquote in Aufsichtsräten wird inzwischen sogar von Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel und der Frauenunion gefordert, doch beschlossen ist sie immer noch nicht. Es sieht so als,als ob in Deutschland die Geschlechtertrennung weiter gilt: der Mann als das vernunftbegabte Gattungswesen,die Frau das (sexualisierte) Andere. 

Wer dominiert den Mediendiskurs?

Gebraucht wird ein neuer feministischer Diskurs. Es gibt ihn bereits – in Spurenelementen. Junge Frauen aus der Popkultur und der Blogosphäre treten selbstbewusst als Feministinnen auf und sagen alten Rollenklischees mit neuen Ausdrucksformen den Kampf an. Es gibt ein feministisches Magazin für Popkultur, das Missy Magazine, und für den feministischen Blog Mädchenmannschaft gab es sogar fast den Grimme- Preis. Doch in den auflagenstarken, tonangebenden Medien, in Spiegel, Focus & Co. erleben Geschlechterstereotype ein Comeback: Nahezu zelebriert werden jene Studien, die belegen, wie unterschiedlich Männer und Frauen »von Natur aus« sind. Rollenklischees werden »objektiv« untermauert, zum Einsatz kommen – oftmals stark verkürzt – Wissenschaften wie die Biologie (das Narrativ von der natürlichen Bestimmung der Frau zur Mutter), die Neurologie (das Narrativ vom weiblichen Gehirn, das anders funktioniert als das männliche) und die Urgeschichte (das Höhlenmenschen- Narrativ vom Jäger und der Sammlerin). Antifeministen erhalten ein übergroßes Forum, um ihre Weltsicht zu präsentieren, die darin besteht, dass der Feminismus längst über das Ziel hinausgeschossen sei – und die Männer nun die Unterdrückten seien.

 

Kristina Schröder – Prototyp der Postfeministin

Kristina Schröder hat ein offenes Ohr für genau diese Positionen, doch die Tatsache, dass im Familienministerium eine erklärte Nicht-Feministin sitzt,ist noch das geringste Problem.Von Bedeutung für die feministische Bewegung ist der Typ Frau, den Schröder repräsentiert: die Postfeministin. Als unfreiwillige Verbündete der Antifeministen haut sie in die gleiche Kerbe, der Tenor lautet: Der Feminismus kann abtreten, sein Werk ist vollbracht – Frauen und Männer sind gleichgestellt. Die Postfeministinnen – es handelt sich hier um die Mehrheit der gut ausgebildeten und ehrgeizigen jungen Frauen – sehen keine gesellschaftlichen Machtasymmetrien, sie sehen nur persönliche Chancen. Sie sind die Töchter des neoliberalen Zeitalters. Es kann ihnen fast gar nicht vorgeworfen werden, dass sie gelernt haben, von der Politik wenig und von sich selbst alles zu fordern. Für ihre »post-gender «-Welt gilt die Devise:Alles ist möglich, wer scheitert, ist selber schuld. Individualisierung und das neoliberale Narrativ der Selbstbestimmung gehen so ein anti-etatistisches Bündnis mit dem Antifeminismus ein. Der lebenslange Auftrag lautet: Optimiere dich selbst! Keine Zeit, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Frage zu stellen. Angela McRobbie, Professorin für Kommunikationswissenschaften in London, schreibt über die Postfeministinnen: »Es sind die jungen Frauen, die (...) sich rufen lassen vom Versprechen auf Gleichheit durch Teilhabe an Konsum und Berufstätigkeit, die jungen Frauen ›auf dem Sprung‹, die ›Karrierefrauen‹, die Top Girls. Ihnen wird, als privilegierte Subjekte des Kapitalismus, ein neuer Geschlechtervertrag angeboten – als Ersatz dafür, was eine zeitgemäße feministische Politik anbieten könnte.« In eine ähnliche Richtung agieren selbst ernannte »konservative Feministinnen « wie Ursula von der Leyen und Silvana Koch-Mehrin. Sie propagieren einen Feminismus, der ohne Gesellschaftskritik auskommt, der sich friedlich in die Verhältnisse einfügt. Ein solcher gezähmter Feminismus kommt denjenigen entgegen, die die Frauen auf dem Arbeitsmarkt brauchen, aber sonst nichts an den Geschlechterverhältnissen ändern wollen. Es sind die Kohl-Töchter und die Kohl-Enkelinnen, die zurzeit nach der Definitionshoheit über den Feminismus greifen. 

 

Der Rückzug der jungen Mütter aus der öffentlichen Sphäre

Die »privilegierten Subjekte des Kapitalismus «, wie sie McRobbie beschreibt, verlieren ihren privilegierten Status allerdings spätestens in dem Moment, wenn sie Mütter werden und nicht mehr rund um die Uhr für den Arbeitsmarkt verfügbar sind. Gleichzeitig bemerken Publizistinnen wie Iris Radisch (Die Schule der Frauen) und auch Bascha Mika (Die Feigheit der Frauen) eine abnehmende Konfliktbereitschaft bei Müttern, die in familiären Aushandlungssituationen immer mehr dazu tendieren, beruflich gegenüber dem (im Zweifel besser verdienenden) Partner zurückzustecken. Radisch spricht von der Wiederauferstehung der »Mutti-kocht-Vati-arbeitet-Familie «. Die gleiche Beobachtung machen auch Meredith Haaf, Susanne Klingner und Barbara Streidl, die Autorinnen des Buches Wir Alpha-Mädchen: »Doch schon längst haben viele junge Menschen das Gefühl, dass etwas schief läuft. Sie beobachten, wie ihre engagierten, hoch qualifizierten Freundinnen zu Vollzeitmüttern werden, sobald Kinder kommen. Sie registrieren, dass gleichzeitig alte, längst überkommen geglaubte Rollenmuster wieder salonfähig werden.« Die französische Professorin und Philosophin Elisabeth Badinter beschreibt in ihrem Buch Der Konflikt. Die Frau und die Mutter den Trend bei Müttern, ihre eigene Karriere zwar nicht mehr dem Mann zu opfern, dafür aber dem Kind, dem »heiligen Wesen«. 

 

Schuld ist gewiss nicht (mehr) einfach das abstrakte »böse Patriarchat«, aber dennoch verbleiben eben patriarchale Relikte, patriarchale Strukturen.Denn:Warum tragen die Frauen die Risiken und Nebenwirkungen des Elternwerdens immer noch fast alleine? Wie kann es sein, dass es in Deutschland den Begriff Rabenmutter, aber nicht den dazu gehörigen Rabenvater gibt? Wie ist es möglich, dass sich der deutsche Mutter-Mythos noch immer halten kann und weiterhin Generationen von jungen Müttern mit seinen überzogenen Anforderungen erdrückt? Wie kann es sein,dass die vielzitierte »demografische Katastrophe« ausschließlich den jungen Frauen angelastet wird? All diese Fragen rufen nach einem feministischen Aufbruch, doch der erfordert ein gewisses Maß an Wut bei den Betroffenen. Wut setzt allerdings voraus, dass man sich eingesteht, was schief läuft. Doch welche Frau gibt schon gerne zu, dass sie nicht so selbstbestimmt ist, wie sie ihrer Ansicht nach (und nach Ansicht der Gesellschaft) sein müsste? Das Gefühl, in eine Opferrolle gedrängt zu werden, lenkt die vorhandene Wut paradoxerweise bisweilen eher auf den Feminismus selbst als auf die für die Wut ursprünglich verantwortlichen, aber eben latenten und damit schwer greifbaren Strukturen.Mein Bauch gehört mir? Meine Entscheidung für Kinder, Küche, Kirche auch! Die Folge sind Selbstverleugnung und der Rückzug aus dem öffentlichen Raum in die – stylisch inszenierte sowie mit neuer Bedeutung und alter Bürgerlichkeit aufgeladene – Kleinfamilie. Das Private ist politisch, das war das Motto der zweiten Frauenbewegung. Es waren die Studentinnen – mit und ohne Kinder –, die an den Universitäten den Aufstand probten, aus Verärgerung über ihre Chauvi-Kommilitonen im SDS. 

 

Die kinderlosen »Top Girls« von heute glauben nicht an die Benachteiligung, die top ausgebildeten jungen Mütter nicht mehr an die Kraft des Politischen. Sie sind die akademische Elite, und sie fehlen dem Feminismus. Bei einigen von ihnen keimt allerdings inzwischen der Verdacht, dass Geschlecht in unserer Gesellschaft und in ihrem Leben doch eine Rolle spielt, Schranken setzt und Spielräume einengt. Sofern man hier von einem latent feministischen Impuls sprechen möchte,hat der allerdings ein Identifikations- und Bezeichnungsproblem. 

 

Alice Schwarzer hat das F-Wort in Geiselhaft

Die »männerhassende, frigide, lesbische Lila-Latzhosen-Feministin« ist eine der erfolgreichsten Medienschöpfungen der deutschen Zeitgeschichte – fast jede junge Frau hat dieses Zerrbild fest verinnerlicht. So fest, dass ihr die Identifikation mit dem Feminismus unmöglich ist und sie sich gezwungen sieht, jede im Ansatz feministische Äußerung mit einem Dementi zu beginnen: »Ich bin keine Feministin, aber ...«. Dieses Dilemma ist eng verbunden mit der Tatsache, dass im kollektiven Bildbestand der Deutschen unter dem Begriff Feminismus neben dem abstrakten Latzhosen-Bild nur ein einziges konkretes Foto abgespeichert ist: das von Alice Schwarzer. Es fehlen neue, sichtbare Rollenvorbilder. Schwarzer wirkt selber kräftig daran mit, dass die Feministinnengalerie in den Köpfen nicht wächst. Die Feministinnen der neuen Generation eignen sich durchaus als Rollenvorbilder für junge Frauen, doch statt sie zu promoten und das Scheinwerferlicht auf sie zu lenken, verweigert Schwarzer ihnen das Prädikat »feministisch geprüft« und verteidigt ihr Monopol auf den Feminismus. Damit erschöpfen sich die feministischen Debatten in den Leitmedien allerdings meist früher als später in einer Debatte um die Person Schwarzer, die zudem selbst den Anschein erweckt, der Feminismus sei seit Amtsantritt der Kanzlerin in Deutschland nahezu vollzogen, bedroht nur durch die Einwanderer aus »vormodernen Gesellschaften «, gemeint ist der Islam – symbolisiert durch Kopftuch, Burka, Niqab und Tschador. 

 

Die Ökonomie der Aufmerksamkeit

»Wir haben abgetrieben.« Das war die Mutter aller feministischen Kampagnen, der Urknall der zweiten Welle des Feminismus. Die Kampagne war höchst erfolgreich,denn sie folgte der Logik der Ökonomie der Aufmerksamkeit. Beachtung erhält nur der Skandal, der inszenierte (vermeintliche) Tabubruch. Wer heute im Tabubrecher-Gestus Aufmerksamkeit erzeugen will, erklärt die Männer zu Opfern des Feminismus oder verbindet den Feminismus mit Islamkritik – und kann sich sicher sein, dass Spiegel und Focus bereitwillig berichten. Der Mann als Marionette der Frau auf dem Titelbild der Zeitschrift Cicero macht Auflage, der Bericht über den schleppenden Ausbau von Krippenplätzen nicht. Gleichzeitig funktioniert in den Medien das, was der Erwartungshaltung der Medienschaffenden entgegenkommt. Es ist eine spezielle Generation von überwiegend männlichen Journalisten,welche besonders dankbar die Ergebnisse aus Hirnforschung und Biologie verbreiten, die auf die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau abzielen und gegen Feminismus und Gender Mainstreaming wettern. Es eint sie die Abneigung gegen die 68er, gegen jegliche Form staatlicher Intervention und die Frustration darüber,auf einem ohnehin umkämpften Markt nun auch noch gegen Frauen konkurrieren zu müssen. Für Ergebnisse aus der feministischen Forschung haben sie, das versteht sich von selbst, kein offenes Ohr. Natürlich gibt es auch Journalist/innen, die für Gegenentwürfe empfänglich sind,doch auch sie tun sich schwer mit dem Output der Gender Studies. Die Ergebnisse der aktuellen Gender-Forschung sind meist schwer kommunizierbar, oft werden sie auch unverständlich formuliert, es fehlt die Übersetzung in die Alltagssprache und die Anknüpfung an den so genannten »gesunden Menschenverstand«, der ganz oft auch etwas mit Emotionen und einem »ja, so empfinde ich das auch« zu tun hat. Die Publikationen sind meistens nur für Eingeweihte verständlich, die Erkenntnisse bleiben im Elfenbeinturm eingesperrt, denn die Komplexität aufbrechender Geschlechterkategorien ist schwer zu vermitteln.Wer sehnt sich in Zeiten neuer Unübersichtlichkeiten nicht nach etwas Komplexitätsreduktion? Und so verfassen »Biologistinnen « wie Susan Pinker Bestseller, indem sie den – ebenfalls komplexen – biologischen Diskurs über die Uneindeutigkeit der Geschlechtlichkeit – auf die alte Mann-Frau- Differenz reduzieren. 

 

Der Feminismus hat nicht nur ein Aufmerksamkeitsdefizit, sondern auch ein Mobilisierungsproblem. Die Gesellschaft hat sich verändert. Die Frauen haben viele der sichtbare Hürden eingerissen – geblieben sind die unsichtbaren. Kein Paragraph 218 stellt mehr unter Strafe, abzutreiben. Zwar bleibt die Abtreibung grundsätzlich verboten, doch das Verbot zielt nicht auf die Freiheit, »nur« auf die Moral. Kein Gesetz erlaubt es dem Ehemann, der Frau den eigenen Job zu verbieten, wenn sie ihre »Pflichten im Haushalt« vernachlässigt. Vergewaltigung in der Ehe ist nicht mehr erlaubt, öffentliche Anfeindung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts ist gesellschaftlich geächtet.Ausgrenzung und Benachteiligung finden auf einer subtileren Ebene statt, nicht auf der juristischen, sondern auf der habituellen.Der Feind ist unsichtbar, er sitzt im Kopf der Mütter,die ihre Töchter zu Bescheidenheit erziehen und im Kopf der Vorgesetzten, die immer noch die Zuverdienerin vor sich sehen. Die Fesseln bestehen aus fehlenden Wahlmöglichkeiten, aus Rollenbildern und gesellschaftlichen Zuschreibungen. Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz geschieht nicht durch sichtbare Ausschlüsse, sondern durch Rituale, an denen sie nicht teilnehmen können und wollen. Es gibt die »gläserne Decke«, doch man kann auf sie zeigen, so lange man will: Sie bleibt unsichtbar. Es ist schwer, gegen einen unsichtbaren Gegner zu rebellieren und zu demonstrieren – und erst recht gegen den Gegner im eigenen Kopf, der sich die »Einprägung der sozialen Strukturen in die Körper« (Pierre Bourdieu) und damit in das unmittelbare leibliche Empfinden zur Komplizin nimmt. 

 

Feminismus im politikfernen Raum

Die zweite Feminismuswelle brandete im politischen Raum auf, innerhalb des SDS und in der Auseinandersetzung mit ihm. Der Aufruhr der Frauen im Jahren 1968 gegen die chauvinistischen Genossen begann mit dem legendären Tomatenwurf auf den Vorstand des SDS bei einer Delegiertenversammlung und wurde im Laufe der darauf folgenden Jahre zur machtvollen Bewegung, welche die Republik veränderte.Von dort aus wurde er Teil des politischen Systems. Das »erfolgreichste Projekt der politischen Linken seit 1968« (Susanne Gaschke) wanderte in die Institutionen und Behörden, entwickelte dort seine eigenen Rituale und seine eigene Sprache. Dort wirkt es weiter, im Konkreten, aber es mobilisiert nicht mehr die Massen, besonders nicht die Massen an jungen Frauen. 

 

Die sich anbahnende dritte Welle des Feminismus entsteht in Sphären jenseits dessen, was Parteipolitiker/innen unter Politik verstehen. Die autonome Frauenszene agiert in erklärter Distanz zu Parteien und Institutionen, sie grenzt sich ab von deren Strukturen und Hierarchien. Ein anderer Zweig des Feminismus entspringt der Popkultur – soweit entfernt von Parteien und Institutionen, dass eine explizite Abgrenzung noch nicht einmal nötig ist. 

 

Das muss nicht so bleiben. Sozialdemokratie und Feminismus haben eine große inhaltliche Schnittmenge: gleiche Teilhabe, gleiche Chancen und gleiche Freiheit – für Frauen und Männer.Natürlich könnten die neuen Feministinnen, die gegen den antifeministischen backlash in den Medien kämpfen, politischen Support gebrauchen. Natürlich könnte die Sozialdemokratie die Kreativität und das Engagement der neuen Feministinnen gut gebrauchen. Doch um stärker zusammenzuarbeiten, sind zwei Dinge nötig. Die Parteipolitiker/innen müssen sich davon verabschieden, zu definieren, was Politik ist – und was nicht.Sie müssen akzeptieren, dass es politisch ist, ein feministisches Magazin für Popkultur herauszugeben, oder zu einer Party einzuladen, bei der »alle Geschlechter willkommen « sind. Auch sollte sich die Sozialdemokratie als Partei klar und ausdrücklich zum Feminismus bekennen und den neuen Feministinnen signalisieren:Wir sind auf Eurer Seite. Es geht nicht (nur) um die kompetente Vorzeigefeministin an vorderster Front, sondern auch um das Umdenken in den eigenen Reihen und eine bewusste Reflexion der patriarchalen Denkstrukturen, denen auch die Sozialdemokratie nach wie vor verhaftet ist. 


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