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Editorial

Heft 9 | 2011

Thomas Meyer

Schnellschüsse, gar politische Vereinnahmungen sind selten gut, wo es um das Verständnis von Ursachen und Folgen sozialer Gewalt geht, wie soeben in den Städten Großbritanniens. Zu übersehen ist freilich nicht, dass die wachsenden Gegensätze zwischen Arm und Reich, den Nutznießern und den Ausgeschlossenen der Konsumgesellschaft im »Königreich der Ungleichheit«, zusätzlich befeuert durch die unsoziale Kürzungspolitik der konservativen Regierung, eine der wesentlichen Ursachen ist.Am schlimmsten ist die Massenarbeitslosigkeit der Jugendlichen, die ihnen Perspektive und Hoffnung raubt. Kundige vor Ort erkennen einen »Aufstand der jungen Generation der armen Schicht«. Eine Extremvariante dessen, was sich in Ländern wie Israel und Spanien in bewundernswert zivilem Bürgergeist vollzieht. Die gerechtfertigten Gegenmaßnahmen von Polizei und Gerichten werden wohl rasch das Ordnungschaos bezwingen, aber sicher nicht den Zorn der Ausgeschlossenen. Alles Probleme der Anderen? Wohl kaum. Die deutsche Polizeigewerkschaft mahnt drastisch, die Bedingungen für solche »Gewaltorgien « seien hier »exakt die gleichen«. Das mag überspitzt sein, aber nicht aus der Luft gegriffen.Auch hier wächst die Ungleichheit und große Teile der jungen Generation sehen keine Chancen für Aufstieg und Zugehörigkeit. Anlass genug, die Rückkehr zu einer Politik der Fairness und Chancengleichheit wieder dringlicher einzufordern, trotz des täglichen Ansturms der elementaren Probleme von Eurokrise und Finanzmarktdesaster. Die Demokratie ist nun mal kein Ölgötze, der um seiner selbst willen angebetet wird, sondern ein politisches Regelwerk, das liefern muss, was die Menschen von ihm zu Recht erwarten.

 

Eurokrise und Finanzkapitalismus – unser Thema.Wir bieten Analysen des Zusammenhangs dieser beiden Problemgrößen, ihrer Folgen für Politik und Demokratie, ebenso wie Vorschläge für erfolgversprechende Wege aus dem Dilemma. Es ist immer noch dieselbe alte Finanzmarktkrise, die sich durch mangelnde politische Handlungskonsequenz in veränderten Formen fortsetzt und womöglich verschärft. Immer noch treiben die Märkte die Regierungen vor sich her und schmälern besorgniserregend deren Handlungsmöglichkeiten. Jetzt steht Europa auf dem Spiel.Am Ende wird auch unsere Regierung für die Zukunft von Euro und Union geben müssen, was sie nicht will. Freilich zu gestiegenen Preisen und auf einem durch Vertrauensschwund rissig gewordenen Gemeinschaftsfundament.Der Schritt zur Sozial- und Wirtschaftsunion ist nun fällig.Wächst auch in dieser Krise das Rettende? Manches spricht dafür. Sicher ist das freilich nicht. 

 

 


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