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Editorial

Heft 10 | 2011

Thomas Meyer

Die EU – Garant der Zukunftsfähigkeit ihrer Mitgliedsländer in Zeiten der Globalisierung, über ein halbes Jahrhundert lang mit Leidenschaft und täglicher Kompromiss-Kunst zusammengefügt – wird sie nun zum Spielball kleiner Kalküle nationaler Regierungen oder gar maroder Koalitionen und Parteien? Nicht erst die engstirnigen Lösungsversuche des Problems der Staatsschulden, sondern schon die Methode ihrer Erarbeitung und leichtsinnigen Vermarktung zehren bedrohlich an der solidarischen Substanz des gefährdeten Gemeinschaftsprojekts.Die Deutschen werden sich wohl am Ende beides einhandeln, in dieser Höhe vermeidbare Milliardenzahlungen und die nachhaltige Brandmarkung als böser Bube Europas. Die rasche Ablösung einer Bundesregierung, die das in Kauf nimmt, ist im Interesse Europas. Auf der Tagesordnung steht der zügige Ausbau eines politisch integrierten Kerneuropa mit einer handlungsfähigen Wirtschaftsregierung, das offen bleibt für alle,die sich anschließen wollen.Deutschland braucht rasch eine andere Regierung, um wieder europäische Triebkraft zu werden.

 

Das »Netz«, Thema dieser Ausgabe.Wir fangen gerade erst an zu ermessen, wie groß die Fragen sind, die es aufwirft – wirtschaftliche, politische, kulturelle und existenzielle. Klar ist immerhin, dass es so gut wie keinen sozialen Raum mehr gibt,den es nicht mit seiner eigenen Logik und Allgegenwart durchdringt, verändert und prägt.Wie weit zum Guten oder Unguten, ist heftig umstritten, mit einem sich nahezu täglich verändernden Stand der Debatte. Klar ist auch, dass das Faktum einer in ihren Perspektiven und Risiken noch nicht zu überschauenden Online-Gesellschaft längst nicht mehr zur Disposition steht.Schon kursiert die These, dass sogar der Unterschied von Online- und Offline-Gesellschaft, Voraussetzung aller kritischen Debatten um die Rolle des Netzes in unserem öffentlichen und privaten Leben, aufgehoben sei. 

 

Beides, die große Netzeuphorie und die kulturkritische Abwehr, verblassten. Worauf es nun ankommt, sind genaue Analysen und praktikable Handlungsvorschläge. Wie kann der Einfluss der Supermonopolisten der Netzwelt – etwa Google, Facebook – begrenzt und die individuelle Selbstbestimmung der Nutzer gegen sie verteidigt werden? Wie kann das Netz zum Forum einer kollaborativen Demokratie statt zum Durchlauferhitzer politischer Radikalisierung werden? Wie können wir alle es klug zur Erweiterung unserer Erkenntnis- und Handlungsspielräume und unserer Sinne nutzen, statt selbst zur bloßen Erweiterung des Netzes zu verkümmern? Fragen und Themen der folgenden Beiträge. 


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