Nun mag man sagen: Im Aufstiegsglauben früherer Jahre steckte neben dem Optimismus, der heute so oft fehlt, immer auch ein Stück Selbstüberlistung. Vor inzwischen 53 Jahren hat eine Wissenschaftlergruppe im Auftrag der damals in Hamburg ansässigen Denkfabrik Club of Rome ihre Studie über die Grenzen des Wachstums vorgelegt, finanziert sinnigerweise von der Volkswagen-Stiftung. Seitdem ist klar, dass immerwährender Aufstieg Illusion und zudem Fehlsteuerung sein kann.
Das Stichwort qualitatives Wachstum sagt es: Quantität ist nicht alles, zumal mit Blick auf den Erhalt unseres Planeten. Solange nicht die KI unser Fortschrittsverständnis bestimmt, stellt sich mit jeder kleinen Entscheidung aber immer auch die Frage an konkrete Menschen: was und wohin wollen sie? Es ist inzwischen die Kernfrage an jegliche Politik. Es ist nicht Abstieg, sich für Nachhaltigkeit zu entscheiden. Es ist langfristig manchmal sogar die einzige Aufstiegschance – falls gepaart mit Ehrgeiz, Anstrengung, Entschlossenheit.
Da geht es nicht nur um Zahlenkolonnen und Expertenprognosen, sondern stets auch um Wertentscheidungen. Doch wer Abstiegsangst hat oder Abstieg konkret erlebt, kann sich da wahrlich oft nicht frei fühlen – was gesellschaftliche Verwerfungen erklären hilft bis hin zu manchen Wahlergebnissen. Vernünftiger Umgang mit Abstiegsrisiken beginnt mit einem rationalen, unideologischen Diskurs: mit der Art, darüber zu reden.
Der liberale Westen ist wahrlich in mancher Hinsicht akut abstiegsgefährdet, auch weil andere Entwicklung brutaler definieren. Zugleich ist er nach wie vor hoch attraktiv. Was sind die Maßstäbe, die menschlich und wirtschaftlich überzeugen? Sie sind in der Demokratie jeden Tag neu umkämpft. Das ist herausfordernd und doch gut so. Zu vielem liefert dieses Heft dabei Anregung, Hilfestellung, Nachdenkstoff. Nutzung erlaubt.


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