Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte - Die Zeitschrift für Politik und Kultur
Aktuelle Ausgabe: 6/2026
Die Welt und wir
Wir leben heute viel internationaler als jede Generation vor uns. Wir haben mehr von der Welt gesehen. Neugierde und Zugewandtheit scheinen aber zu schwinden, während die globalen Probleme wachsen. Auch die europäischen Identitätsfragen sind wieder offener geworden, die wirtschaftlichen Zukunftsaussichten zumal. Wer wir sind, was wir sein wollen, was wir können und wo künftig andere anderes, manchmal auch mehr können – das wäre neu zu besprechen und die Welt neu zu entdecken.
Von wachsendem Interesse an den internationalen Themen kann keine Rede sein, schon gar nicht innerhalb der großen politischen Parteien. Es ist ein Abwenden aus Ratlosigkeit, aus Furcht vor absehbarem Frust. Die ganze Welt verbessern, das war einmal. Es reicht, sich an den vielen Herausforderungen diesseits des eigenen Tellerrandes abzuarbeiten. In den Texten dieses Heftes wird immer wieder deutlich: Provinzialität heißt Scheitern, Perspektive gibt es nur mit anderen gemeinsam.
» Lesen
Das Programm der AfD für Sachsen-Anhalt verspricht viel Deutschtum in der Kultur- und Bildungspolitik mit einem Schuss Cyberspace. Ein Dokument zur rechten Zeit – und ein Geschenk für Gegner im Wahlkampf.
Generative Künstliche Intelligenz (KI) verändert nicht nur, wie Nachrichten produziert und Arbeitsprozesse in Redaktionen organisiert werden. Sie hat das Potenzial, die Ökonomie des Journalismus an sich aus den Angeln zu heben. Diese Veränderungen sind kein medienökonomisches Nischenthema, sondern von demokratiepolitischer Dringlichkeit.
Geliebt und gehasst: Die Debatte um die Leistungsverteilungen des deutschen Sozialsystems erhitzt oftmals die Gemüter. Ein Demokratiemonitor gibt Einsicht in die Stimmungslage gegenüber dem Sozialstaat – und zieht Konsequenzen.
Die Medienwelt erlebt derzeit weit mehr als eine technische Evolution: Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Informationsarchitektur für Medien und Gesellschaft. Mit Hilfe von generativer KI können Inhalte auch für kleine Nutzergruppen oder einzelne Leser erstellt werden. Mit diesen individualisierten Inhalten können Medien Menschen adressieren, die von der allgemeinen Berichterstattung nicht erreicht werden. Dies gelingt jedoch nur, wenn Redaktionen sich auf die damit verbundenen Veränderungen einlassen und generative KI als Chance zur Relegitimierung ihrer gesellschaftlichen Funktion begreifen.
Zwischen Wahrheit und Fälschung, menschlicher Emotion und technischen Berechnungen bewegt sich die Filmwelt durch die KI auf ungewohntem Terrain. Dabei kommen Fragen auf, die die Substanz des künstlerischen Filmverständnisses ins Wanken bringen. Welche Hauptrolle die Künstliche Intelligenz dabei spielt.
Debatten über die Gefährlichkeit der Stadt sind bis heute politisch wirkmächtig. Stadt wird immer wieder symbolisch überhöht, als Ort moralischen Niedergangs, der Sünde oder der Gewalt, etwa in Erzählungen über Babylon, Sodom oder Troja.
Die völkerrechtlich unzulässigen Militärschläge gegen Venezuela vom 3. Januar 2026, die die Entführung von Präsident Nicolás Maduro und der First Lady Cilia Flores zum Ziel hatten, sind schnell wieder vom Radar der öffentlichen Debatte verschwunden. Doch mit dieser gewaltsamen Intervention hat die zweite Trump-Administration ihre imperialistische Politik in der westlichen Hemisphäre auf eine neue Intensitätsstufe gehoben, begleitet und eng gefolgt von Drohungen gegen Mexiko, Kanada, Kolumbien und Grönland.
Von
Anika Oettler/
Jonas Wolff/
Stefan Peters |
Ausgabe 3/2026
Das sozialdemokratische Verständnis von Gerechtigkeit
Worum es geht
Die Neuverhandlungen der Gerechtigkeitsmaßstäbe kommen nicht ohne Rückbesinnung auf Gleichheitsmaßstäbe aus. Wie geklärt werden kann, was dabei verhandelt wird und wie Gerechtigkeit und Gleichheit sich an zukünftigen Herausforderungen messen, zeigt der Bezug zur sozialistischen Theorie.
Von
Thomas Meyer |
Ausgabe 5/2026
NG/FH auf Englisch
Hier findest du ausgewählte Artikel in englischer Übersetzung.
Die jüngsten geopolitischen Erschütterungen – nicht zuletzt der Krieg im Iran und die Entführung des venezolanischen Präsidenten – entfachten eine grundsätzliche Debatte neu: Welchen Wert weist das internationale Völkerrecht auf, wenn es von den mächtigsten Akteuren der Weltbühne ignoriert wird? Eine Frage von Privilegien und fragilem Sicherheitsgefühl.
Donald Trumps Erklärung vom Anfang dieses Jahres, er wolle das zu Dänemark gehörige Grönland den USA einverleiben, war, auch wenn er das Projekt anschließend relativiert und vorerst zurückgestellt hat, der Todesstoß für den Westen. Das mussten selbst überzeugte Transatlantiker in Deutschland eingestehen. Seitdem spätestens wissen die Europäer, dass sie sich sicherheitspolitisch nicht mehr auf die USA verlassen können.
Nach dem Vorbild von Australien, wo seit Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren gilt, schlägt die SPD »eine klare, altersgestufte Regelung vor«: Für Kinder unter 14 Jahren soll ein »vollständiges Verbot« der Nutzung von Social-Media-Plattformen gelten, für Jugendliche bis 16 Jahre ein Zugang »nach Verifizierung durch die Erziehungsberechtigten« und nur zu einer »Jugendversion« möglich sein
Die Zahlen der Getöteten der Januarproteste sind immer noch unklar – die Menschenrechts-Medienagentur HRANA hat über 7.000 Tote verifiziert und ermittelt noch in über 10.000 Fällen. Ärzt:innen, die die Notversorgung in iranischen Krankenhäusern im Januar geleistet haben, sprechen im Times-Magazine von über 30.000 Todesopfern des Regimes. Wie hoch auch immer die Zahlen nach unabhängigen Untersuchungen ausfallen werden: Das Leid der Angehörigen, die Trauer in der Bevölkerung sind unermesslich.