Menü

Aktuelle Ausgabe: 7/8/2024

Reizwort Heimat

Heimat ist im politischen Zusammenhang gerade jetzt ein spannender Begriff. Wie und wo ordnen wir uns zu, fühlen wir uns heimisch? Räumlich, aber auch kulturell. Dabei ist Heimat zu einem Reizwort geworden: Von rechts her wird sie rückwärtsgewandt und rein ortsbezogen definiert, ja inszeniert. Bei manchen trifft das einen Nerv, eine Sehnsucht oder gar Defizitgefühl.

Heimat ist unser Schwerpunkt, weil wir den Rechten den Heimatbegriff nicht überlassen dürfen.

Editorial

Von Richard Meng

Nach den Juniwahlen ist die Politik europaweit in viel größerer Unruhe als davor – und das sagt etwas. Ein Umbruch ist im Gang, der mit vielen Themen und mit großen Ungewissheiten zu tun hat. Jetzt ist die Zeit, sich dem konsequenter, ernsthafter zu nähern. Es bricht etwas weg: Vertrauen. Es wird etwas allzu leicht: populistische Provokation. » Lesen

  • Wie sich Heimat als verlässlicher Pol der Zukunft denken lässt Ewigkeitslasten minimieren

    Von Birgit Schneider
    Der Begriff der Heimat hat insbesondere in Krisenzeiten Konjunktur. Wenn Verluste drohen oder erfahren werden, wird der Begriff ins Spiel gebracht, indem er mit alten und neuen Bedeutungen aufgeladen wird. Die Forschung nennt den Begriff ein Chamäleon, das mit ganz unterschiedlichen Werten und Zuschreibungen gefüllt werden kann. Wie lässt sich Heimat zukunftsfähig definieren und pluralisieren? Ist Heimat im Plural möglich? » Lesen
  • Ist ein Ende des Krieges nur mit territorialen Abtretungen erreichbar? Frieden für die Ukraine

    Von Julian Nida-Rümelin
    Vor zwei Jahren wurde die Erwartung strategieprägend, dass die Ukraine mit westlicher finanzieller, logistischer und militärischer Hilfe den russischen Angriff zurückschlagen könne. Trotz massiver westlicher Unterstützung ist dieses Szenario nicht eingetreten: Zehntausende von Soldaten auf beiden Seiten gestorben und die ukrainische Zivilbevölkerung hat schwer gelitten. Könnte eine beidseitige Anerkennung des räumlichen Status quo dringend nötige Verhandlungen erleichtern? Die Annexion der Krim erfolgte ja vermutlich im Einklang mit dem überwiegenden Bevölkerungswillen und die Ukraine war vor zwei Jahren bereit, diese Annexion nicht mehr infrage zu stellen. » Lesen
  • Die Nachwirkungen der CORRECTIV-Recherche über das rechte Geheimtreffen in Potsdam Enorme Wucht

    Von Justus von Daniels
    Das Jahr 2024 begann mit einer gesellschaftlichen Wucht, die nicht nur das Rechercheteam von CORRECTIV überwältigt hat. In Deutschland setzten Millionen Menschen über Monate ein Zeichen für Demokratie und gegen Rechtsex­tremismus. Anlass war die Veröffentlichung Geheimplan gegen Deutschland, eine Recherche über das Treffen von Rechtsradikalen, hochrangigen AfD-Politikern und Geldgebern nahe Potsdam. Die politische Debatte über die Abgrenzung zur AfD sowie über ein mögliches Verbot hat sich seitdem deutlich verschärft. Die Gegenreaktionen waren teils heftig, teils waren es erfolglose Versuche, die Recherche vor Gericht anzugreifen. Dennoch verfingen in rechten und rechtsradikalen Echokammern haltlose Narrative, die CORRECTIV unterstellten, im Auftrag der Regierung oder des Verfassungsschutzes zu arbeiten oder wahlweise einfach Lügen zu verbreiten. » Lesen
  • Die Machtverhältnisse im deutschen Sport Suche nach der Nische

    Von Ulrike Spitz
    Im Finale um die Basketball-Weltmeisterschaft am 10. September 2023 in Manila waren noch 19 Minuten zu spielen, das deutsche Team stand kurz vor seinem größten Erfolg, als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Nachricht in die Welt schickte. Hansi Flick war entlassen worden, der Bundestrainer, der etwa neun Monate zuvor mit seiner Mannschaft in der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ausgeschieden war. Die Flick-Meldung sorgte dafür, dass die so begeisternd aufspielenden Basketballer in ihrer Sternstunde die Aufmerksamkeit in Medien und Öffentlichkeit mit der Trainerentlassung und -suche des DFB teilen mussten. Die Aktion steht symptomatisch für die Machtverhältnisse im deutschen Sport: Fußball und dann lange nichts mehr. » Lesen
  • Existenzielle Fragen an die Demokratie Das Ende alter Gewissheiten

    Von Klaus-Jürgen Scherer
    Am 23. Mai wird das Grundgesetz, das Fundament unseres Zusammenlebens in einem freien und demokratischen Rechtsstaat, 75 Jahre alt. Heute ist die Demokratie in der Defensive und Resilienz das Wort der Stunde. Weltweit gibt es wieder mehr autokratische Regime als Demokratien. Unsere Demokratie braucht unser Eintreten für sie. Jetzt. » Lesen

Newsletter

Zu jeder Ausgabe alle Informationen kostenlos per Mail.

ePaper

Die digitale Ausgabe der NG|FH als Browseransicht für PC/Mac und Laptop oder App für Smartphone und Tablet.

Zum ePaper

  • Wie junge Menschen in Deutschland in die Zukunft und auf Europa schauen Pessimistisch und heterogen

    Von Thorsten Faas
    Es läuft doch eigentlich alles »super« für Jugendliche und junge Menschen. In Deutschland ist 2024 wieder einmal ein Superwahljahr – und für Jugendliche hierzulande wird es besonders »super«: Die Europawahl 2024 wird die erste bundesweite Wahl sein, an der 16- und 17-Jährige aktiv als Wähler_innen teilnehmen dürfen. Und auch sonst ist oft zu hören, dass die Zukunftsaussichten für junge Menschen rosiger denn je seien: Die Jugendarbeitslosenquote in Deutschland liegt seit einigen Jahren bei – niedrigen – fünf Prozent; noch dazu ist sie niedriger als in allen anderen EU-Ländern. Ausbildungsplätze gibt es zuhauf – und zukünftigen Fachkräften steht die Welt ohnehin offen. » Lesen
  • Strategische Souveränität der EU als Ziel Viele Baustellen

    Von Björn Hacker
    Die Wahlen zum Europäischen Parlament werden stark unter dem Eindruck des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine stehen. Die dadurch ausgelösten geopolitischen Spannungen, die Neusortierung der internationalen Beziehungen und nicht zuletzt die Sorge vor einer Ausweitung des Krieges schieben Fragen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der EU in den Vordergrund. » Lesen
  • Die Menschen wollen zunehmend mitgestaltenZweierlei Demokratie, eine Republik

    Von Christina Morina
    Neuerdings rührt sich in Ost wie West, Nord wie Süd die gesellschaftliche »Mitte«. Bundesweit basteln die Leute Plakate für die »Erhaltung der Demokratie«, stehen für »Toleranz und Vielfalt« im Regen und pfeifen gegen die »Brandstifter-AfD«. Dies ist der erste Moment in der jüngsten deutschen Demokratiegeschichte, in dem das gesamte Land als Bundesrepublik sichtbar wird. Vielleicht kann man darauf hoffen, dass die Demokratie im Osten noch und im Westen wieder stärker als gestaltungsbedürftige Ordnung verstanden wird. Denn Demokratie ist kein Zustand, sondern ein Prozess, in dem es auf individuelle Zuwendung möglichst vieler in der Bevölkerung ankommt. » Lesen

Internationale Ausgabe

Die NG|FH in englischer Sprache!

Weitere Informationen

  • Der Fortschritt ist eine Schnecke Es dauert

    Von Kira Ludwig
    Die Autorin und ihr Mann, beide kommen aus dem Westen, leben seit 20 Jahren in Rostock. Gibt es noch Unterschiede zwischen Ost und West, fragt sie ihn? Er bemerkt keinen Unterschied, allerdings sind die meisten seiner Kollegen (in Leitungsposition, keine Frau) wie er aus dem Westen. Die Erzählung des Ostens lautet nach wie vor: abgehängt, vernachlässigt, Versprechen nicht eingelöst. Wie tief geht das? Tut sich denn gar nichts? Spoiler: Nein, »die Ossis« haben sich immer noch nicht an unser System, unsere Lebensweise, unsere Kultur angepasst und ihre alte überwunden. Warum auch, es ist ja ihre. Wie vermessen Wessis an die Sache herangehen, zeigt sich hier. Blühende Landschaften sind ausgeblieben, das Lohngefälle ist eklatant, aber jetzt können die doch endlich mal langsam »so sein wie wir«. Oder? Eine Spurensuche. » Lesen
  • 25 Gedanken über Beschaffenheit, Reflexe und Reflexionen Weiche Schale, harter Kern?

    Von Christian Dittloff
    Harte Schale, weicher Kern ist eine bekannte Beschreibung für Männlichkeit. Hart wie Kruppstahl, boys don’t cry ­– eine Männlichkeit, die sich in Abgrenzung zu Weiblichkeit konstruiert, das Weibliche in sich töten muss. Ein Freund fragt mich, warum ich so hart zu mir sei, weil er auf meiner Lesung war. Ich las aus meinem essayistischen Roman über Prägung und Männlichkeitsbilder: wie ich der Mann wurde, der ich bin, und inwiefern das Aufwachsen im Patriarchat Spuren in mir hinterlassen hat und meine Gedanken, Werte und Handlungen bis heute prägt. Ich bin im Rahmen einer Lesung zu Besuch in Hamburg. Wir gehen durch den Wald, vorbei am Golfplatz, den wir als Jugendliche einmal moderat verwüstet hatten, als wir auf Randalierertour im Villenviertel unterwegs waren. Die Zerstörung, das weiß ich heute, hatte mehrere Funktionen: antikapitalistische Geste, Härte zeigen, Männlichkeitsvalidierung. » Lesen
  • Der Anfang vom Ende des harten, starken Mannes Revolution der Rollenbilder

    Von Lena Papasabbas
    Männlichkeit steht in der Kritik. Spätestens seit #MeToo ist der Begriff »toxische Männlichkeit« zum festen Bestandteil unseres Vokabulars geworden. Dabei hat die Überwindung alter Männlichkeitsbilder das Potenzial, auch Männer zu ermächtigen. Der Wandel ist zäh. Doch die Zukunft lässt hoffen. Denn der größte Hebel, den diese Pioniere neuer Männlichkeiten haben, ist die Rolle, die sie als Väter der nächsten Generation spielen. Väter, die emotional zugänglich, umsorgend und kommunikativ sind, werden eine neue Generation von Männern (und Frauen) aufziehen. » Lesen
  • Zum Tod des Politikwissenschaftlers, Publizisten und Soziologen Alfred Grosser Die Freude und der Tod

    Von Wolf Scheller
  • Progressives Regieren – (noch) gänzlich ohne KI Da muss man mit!

    Von Enrico Kreft, Aleksandra Sowa
    Progressive Politik impliziert die Fähigkeit, in der Politik zu lernen, auf sich ändernde Umstände zu reagieren, anpassungsfähig zu sein oder in Bewegung zu bleiben. Letztendlich fasst progressiv all das zusammen, was künstliche Intelligenz (KI) heute (noch) nicht kann. Die heute entwickelten KIs stecken »in the loop«, indem sie frühere, auch schlechte, Entscheidungen replizieren und dafür sorgen, dass alles bleibt, wie es ist. » Lesen
  • Das Verhältnis von KI und Wissenschaft muss neu geklärt werdenFrisst das Kind seine Eltern?

    Von Katharina Litz, Lina Seitzl
    Wird menschliche Arbeitskraft durch Künstliche Intelligenz überflüssig? Gerade im wissenschaftlichen, kreativen und künstlerischen Bereich wächst diese Sorge. Dabei ist die Technologie hinter KI doch das Ergebnis von innovativen, wissenschaftlichen – und damit menschlichen – Prozessen. Fallen die »Eltern« ihrem eigenen »Kind« bald zum Opfer? Oder wird der Mensch mehr denn je gebraucht: für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI, einem solchen, der die Zuschreibung als »intelligent« wirklich rechtfertigt. Wir sollten KI nicht größer machten als sie ist, aber sinnvoll nutzen. Wie könnte das aussehen? » Lesen
  • Wie die Politik mit den Rechten umgehen sollteAnnähern oder Abgrenzen

    Von Julia Reuschenbach
    Die Anhängerschaft der AfD ist inzwischen in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden, mit Abstiegsängsten und Zukunftssorgen als Katalysator. Dabei ist die AfD alles andere als eine Partei der »kleinen Leute«, ihr Programm ist wirtschaftspolitisch neoliberal. Bedenklich: Die Radikalisierung der Partei geht parallel mit ihrer Normalisierung in der Bevölkerung einher. Was zu tun ist. » Lesen
  • Was fortschrittliche Politikkonzepte jetzt einbeziehen müssenDurchhalten ist nicht unmöglich

    Von Ania Skrzypek
  • Rückblick und Zukunft: Neue Bücher zur Sozialdemokratie Hoffnung erlaubt

    Von Klaus-Jürgen Scherer
  • Visionen und Strategien für das postfossile Zeitalter Transformation(en) des Kapitalismus

    Von Wolfgang Merkel
    Welche Visionen, Strategien oder Konzepte kennen wir, um die »große Transformation« von fossilen zu postfossilen Produktions- und Konsumptionsweisen erfolgreich bestehen zu können? Was Mut macht: Die Geschichte des Kapitalismus ist eine Geschichte seiner Transformationen. » Lesen
Nach oben