Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte - Die Zeitschrift für Politik und Kultur
Aktuelle Ausgabe: 5/2026
Ist das gerecht?
Gerechtigkeit ist neben der Freiheit und untrennbar mit ihr verbunden – immer wieder das Kernthema in der angegriffenen offenen Demokratie: Wer diese Demokratie erhalten will, muss gerechte Antworten geben.
Ist das gerecht? Es reicht nicht, die Antworten Fachleuten zu überlassen, die oft selbst Interessens-Lobbyisten sind. Die Texte dieses Heftes sind eine Einladung, selbst mitzureden.
Die Frage nach Gerechtigkeit – es ist eine der immerwährenden Auseinandersetzungen. Gerade in einer Zeit, in der die Sozialsysteme insgesamt im Streit zu stehen scheinen, kommt es auf die Blickrichtung an. Und auf die Kräfteverhältnisse.
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Die jüngsten geopolitischen Erschütterungen – nicht zuletzt der Krieg im Iran und die Entführung des venezolanischen Präsidenten – entfachten eine grundsätzliche Debatte neu: Welchen Wert weist das internationale Völkerrecht auf, wenn es von den mächtigsten Akteuren der Weltbühne ignoriert wird? Eine Frage von Privilegien und fragilem Sicherheitsgefühl.
Von
Wolfgang Kaleck |
Ausgabe 5/2026
Das sozialdemokratische Verständnis von Gerechtigkeit
Worum es geht
Die Neuverhandlungen der Gerechtigkeitsmaßstäbe kommen nicht ohne Rückbesinnung auf Gleichheitsmaßstäbe aus. Wie geklärt werden kann, was dabei verhandelt wird und wie Gerechtigkeit und Gleichheit sich an zukünftigen Herausforderungen messen, zeigt der Bezug zur sozialistischen Theorie.
Die Europäische Union gründet auf der Idee, dass Staaten über Grenzen hinweg dauerhaft auf Basis fester Regeln friedlich zusammenarbeiten und sich gemeinschaftliche Institutionen geben, die die heterogenen Interessen dieser Staaten fair ausgleichen. Progressive Akteure übersetzen dies mit dem Streben nach einer gerechten Verteilung des Wohlstands und einer nachhaltigen, die natürlichen Lebensgrundlagen sichernden Wirtschaft. Die EU steht für Werte wie Freiheit, Demokratie, Pluralismus und staatliche Verlässlichkeit durch die Stärke des Rechts. Diese Werte repräsentiert sie nicht nur nach innen, sondern steht für sie auch nach außen ein. Das ist jedenfalls das Ideal.
Nach dem Vorbild von Australien, wo seit Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren gilt, schlägt die SPD »eine klare, altersgestufte Regelung vor«: Für Kinder unter 14 Jahren soll ein »vollständiges Verbot« der Nutzung von Social-Media-Plattformen gelten, für Jugendliche bis 16 Jahre ein Zugang »nach Verifizierung durch die Erziehungsberechtigten« und nur zu einer »Jugendversion« möglich sein
Donald Trumps Erklärung vom Anfang dieses Jahres, er wolle das zu Dänemark gehörige Grönland den USA einverleiben, war, auch wenn er das Projekt anschließend relativiert und vorerst zurückgestellt hat, der Todesstoß für den Westen. Das mussten selbst überzeugte Transatlantiker in Deutschland eingestehen. Seitdem spätestens wissen die Europäer, dass sie sich sicherheitspolitisch nicht mehr auf die USA verlassen können.
Die Zahlen der Getöteten der Januarproteste sind immer noch unklar – die Menschenrechts-Medienagentur HRANA hat über 7.000 Tote verifiziert und ermittelt noch in über 10.000 Fällen. Ärzt:innen, die die Notversorgung in iranischen Krankenhäusern im Januar geleistet haben, sprechen im Times-Magazine von über 30.000 Todesopfern des Regimes. Wie hoch auch immer die Zahlen nach unabhängigen Untersuchungen ausfallen werden: Das Leid der Angehörigen, die Trauer in der Bevölkerung sind unermesslich.
Nach dem Vorbild von Australien, wo seit Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren gilt, schlägt die SPD »eine klare, altersgestufte Regelung vor«: Für Kinder unter 14 Jahren soll ein »vollständiges Verbot« der Nutzung von Social-Media-Plattformen gelten, für Jugendliche bis 16 Jahre ein Zugang »nach Verifizierung durch die Erziehungsberechtigten« und nur zu einer »Jugendversion« möglich sein
Die Stadt im Jahr 2035 wird unter massivem Druck stehen. Wohnraum ist schon heute knapp und teuer, Mobilität vielerorts überlastet, öffentliche Infrastrukturen in Teilen überaltert. Klimatische Extremereignisse wie Hitzeperioden oder Starkregen treffen besonders dicht bebaute Quartiere. Parallel verändern Digitalisierung und Automatisierung Arbeitswelten, während soziale Unterschiede sichtbarer und politisch brisanter werden. Die Zukunft der Stadt entscheidet sich im Zusammenspiel von sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Verantwortung und funktionierender Governance.
Von
Mareen Eichinger |
Ausgabe 3/2026
NG/FH in English
Selected articles from the German-language monthly journal Neue Gesellschaft|Frankfurter Hefte translated to English.
Die Stadt im Jahr 2035 wird unter massivem Druck stehen. Wohnraum ist schon heute knapp und teuer, Mobilität vielerorts überlastet, öffentliche Infrastrukturen in Teilen überaltert. Klimatische Extremereignisse wie Hitzeperioden oder Starkregen treffen besonders dicht bebaute Quartiere. Parallel verändern Digitalisierung und Automatisierung Arbeitswelten, während soziale Unterschiede sichtbarer und politisch brisanter werden. Die Zukunft der Stadt entscheidet sich im Zusammenspiel von sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Verantwortung und funktionierender Governance.
Von
Mareen Eichinger |
Ausgabe 3/2026
Hans-Jochen Vogel – (nicht nur) Vorkämpfer für eine gerechte Bau- und Bodenpolitik
Sein Lebensthema
Hans-Jochen Vogel ging es immer darum, den Primat der Politik vor Wirtschaft und Technologie zu verteidigen, um Lebensqualität und Menschenwürde zu fördern. So entwickelte er ein juristisch gut abgesichertes Modell für eine gerechte Bodenpolitik; man dürfe Grund und Boden nicht dem Spiel der Marktkräfte oder dem Belieben des Einzelnen überlassen. Denn: »Die Wohnungs-, Bau- und Bodenpolitik muss den Mangel an Wohnungen beheben.« (Godesberger Programm der SPD)
Der große Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas wurde in vielen Nachrufen umfassend gewürdigt. Da sollte die NG/FH, in der sich immer wieder Autorinnen und Autoren auf sein epochales Werk bezogen haben, nicht hinten anstehen. Es gelang uns zwei besondere Erinnerungen eines ihm nicht nur nachbarschaftlich eng verbundenen Schriftsteller-Paares zu gewinnen.Johanno Strasser fasst die Bedeutung seines Werkes zusammen, Franziska Sperr erzählt über den Men-schen Habermas.
Der große Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas wurde in vielen Nachrufen umfassend gewürdigt. Da sollte die NG/FH, in der sich immer wieder Autorinnen und Autoren auf sein epochales Werk bezogen haben, nicht hinten anstehen. Es gelang uns zwei besondere Erinnerungen eines ihm nicht nur nachbarschaftlich eng verbundenen Schriftsteller-Paares zu gewinnen.Johanno Strasser fasst die Bedeutung seines Werkes zusammen, Franziska Sperr erzählt über den Menschen Habermas.