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Aktuelle Ausgabe: 9/2022

Wieder Grenzen

© picture alliance / Westend61 | Markus Mielek

Editorial

Von Richard Meng

Es verschwindet etwas in diesen schwierigen Zeiten: das Gefühl, gut aufgehoben zu sein in einer zusammenwachsenden Welt. Außen- wie innenpolitisch tauchen überwunden geglaubte Themen wieder auf, sind alte Grenzlinien wieder da. Bedrohlich vielfach, mindestens herausfordernd. Die Wiederkehr von Grenzen und Begrenztheiten im Handeln und Denken sind der Schwerpunkt dieser Ausgabe. » Lesen

  • Über falsch verstandene Freiheit und die Diskreditierung des Staates Irgendwann ist auch mal gut

    Von Philipp Lepenies
    Eine der am häufigsten gebrauchten rhetorischen Keulen ist die Brandmarkung als »Verbotspolitik«! Verstanden als ein Vorwurf, verbirgt sich dahinter die Vorstellung, der Staat habe nicht das Recht, den Bürgerinnen und Bürgern »etwas zu verbieten«. Dabei geht es nicht um irgendwelche Verbote. Es geht um Einschränkungen des individuellen Konsumverhaltens. Und es geht dabei sowohl um Verbot als auch um Verzicht. » Lesen
  • Wie junge Autorinnen aus deutsch-türkischen Familien derzeit die Literaturlandschaft aufmischen Streulichter und Schieflagen

    Von Carsten Otte
    Junge Autorinnen mit deutsch-türkischem Hintergrund und ihre Romanfiguren haben eine Mehrfach-Emanzipation zu leisten: Mit der weiterführenden Bildung verlassen sie ihre sozialen und kulturellen Milieus, entfernen sich von mütterlichen und väterlichen Meinungen und suchen nach neuen Modellen, etwa was Paarbeziehungen und Körperidentitäten angeht. Genau das ist der Humus, auf der hierzulande eine politisch offene und künstlerisch avancierte Literatur gedeiht. Diese Form der postmigrantischen Prosa ist derzeit eindeutig weiblich. » Lesen
  • Sonia Combes Intellektuellengeschichte der DDR Loyale Dissidenz

    Von Frauke Hamann
    »Which Side are You On?« – die Frage aus dem alten Gewerkschaftslied ist neuerlich aktuell in einer Zeit, die nach klaren Bekenntnissen verlangt. Es lohne, so die Autorin, vor diesem Hintergrund, das Buch Loyal um jeden Preis der französischen Zeithistorikerin Sonia Combe zu lesen. Es geht um die Überzeugungen der kulturellen Elite der DDR, um das Verhältnis von Haltung, Loyalität und Integrität, um die Bereitschaft zu Konformismus oder Dissidenz – und die Wirkung auf die nachfolgende Generation. » Lesen
  • Über den Rückzug der Philosophie ins Private Lasst mich in Frieden

    Von Wilm Hüffer
    Die Philosophie als öffentliche Instanz verliert an Boden. Sie scheint heute vor allem dazu gemacht, mein »Ich« über dessen Rolle in der Welt zu orientieren, ihm ein Angebot zu machen, das es annehmen, modifizieren, ausschlagen oder verwerfen kann. Die Folge ist eine (mediale) Popularisierung der philosophischen Debatten. An die Stelle des öffentlichen Ringens um Erkenntnis und Wahrheit tritt eine subjektivierte Sinnsuche: Philosophie als Privatangelegenheit. » Lesen
  • Das politische System muss wehrhafter werden – sonst droht die Trumpsche Welt Der verblassende Charme der Demokratie

    Von Johano Strasser
    In vielen Teilen der Welt gewinnen autoritäre und autokratische Parteien und Systeme an Zustimmung, in den eine offen antidemokratische und in großen Teilen rassistische Bewegung die Partei Abraham Lincolns gekapert hat und erneut nach der Macht greift, und auch in Europa siehe die PiS in Polen, Viktor Orbán in Ungarn und Marine Le Pen in Frankreich, große Teile der Bevölkerung für antidemokratische Programme gewonnen werden können. Was ist es, das die Demokratie für so viele Menschen heute so wenig attraktiv erscheinen lässt, dass sie sich autoritären Alternativen zuwenden, die wir längst für überholt gehalten hatten? » Lesen

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Weitere Informationen

  • Wie sich Film und Fotografie das Thema psychische Erkrankung erschließen Sichtbar machen

    Von Elisabeth Staak
    Ab dem 1. September 2022 gastiert am Berliner Hauptbahnhof eine Ausstellung der Fotografin Herlinde Koelb: »Unsichtbarkeit psychischer Erkrankungen«. Es handelt sich um eine Reihe großformatiger Porträtfotografien, die in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am LVR-Klinikum Düsseldorf entstanden ist. » Lesen
  • Trotz neuer Ansätze bleibt die EU von Einigkeit noch weit entfernt Zeitenwende auf europäisch

    Von Christos Katsioulis
    Die bundesrepublikanische »Zeitenwende« könnte zu einer Entwicklung beitragen, die langfristig die Sicherheit in Europa verbessert. Mit dem Aufwuchs vieler europäischer Streitkräfte werden die Fähigkeiten der EU gestärkt, das Krisenmanagement in der eigenen Nachbarschaft zu übernehmen und somit langfristig die USA in Europa zu entlasten. Von einer politischen Einigkeit Europas ist man jedoch weiterhin entfernt. Diese zu überwinden wäre eine wahre Zeitenwende für Europa. » Lesen
  • Krieg und Krisen versus Klimaschutz und Energieversorgung Das Kartenhaus droht einzustürzen

    Von Michael Bloss
    Als die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen im Dezember 2019 auf der 25. Klimakonferenz in Madrid Europas Green Deal zum ersten Mal genauer skizzierte, konnte noch niemand etwas ahnen von der Coronapandemie, der folgenden Energiekrise, dem Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine. Niemand ahnte das. Und fast gleichzeitig rief das EU-Parlament auch noch den Klimanotstand aus. » Lesen
  • Wie die EU sich widersprechende Ziele in Einklang bringen will Der digitale Frühling Europas

    Von Aleksandra Sowa
    Im April 2022 hat die Europäische Kommission, den Digital Services Act verabschiedet, mit dem Ziel, Hass und Hetze in sozialen Netzwerken zu bekämpfen. Mit dem Digital Services Act, Teil der europäischen Digitalstrategie, wurde die Digitale Dekade 2030 in der EU eingeläutet. Diese hat letztlich sich widersprechende Ziele: Einerseits sollen digitale Kompetenzen weiter ausgebaut werden. Andererseits sollen Probleme gelöst werden, die es ohne die Digitalisierung gar nicht gäbe (Stichwort Cyberattacken), oder die wesentlich kleiner wären, wie der steigende Energieverbrauch durch die Entwicklung von KI-Systemen und die Nutzung der digitalen Dienste. » Lesen
  • Ein Zwischenruf Attacken aus dem Abseits

    Von Rudolf Walther
    Dem tagelang medial laut verstärkten Streit über die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine fehlte vor allem eines – Besonnenheit, die politisches Handeln in Zeiten des Krieges benötigt. Vor allem bei der Kritik an Habermas' Essay "Krieg und Empörung" fuhren einige der sich zu Wort Meldenden schwere Geschütze (!) auf und manövrierten sich mit Wortwahl und Schaum vor dem Mund selbst ins Abseits. » Lesen
  • »Werden sich die USA wieder verstärkt in Europa engagieren?«

    Von Josef Braml, Rüdiger Lentz
  • Wie die Fußball-Weltmeisterschaft zum Prestigeobjekt von Autokraten avancierteFestival der Macht

    Von Ronny Blaschke
    Seit der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft nach Katar geht es weniger um den Sport als um Stimmenkauf, Ausbeutung von Arbeitern auf Baustellen und die Verletzung fundamentaler Menschenrechte. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen für das Jahr 2021 liegt Katar von 180 Staaten auf Rang 128. Homosexuelle müssen mit Verfolgung rechnen. In Katar sind Parteien verboten. Unabhängige Medien, die die Erbmonarchie hinterfragen, gibt es nicht. Aber vom 21. November bis zum 18. Dezember 2022 wird der fußballbegeisterte Teil der Welt nach Doha, Katar blicken. Und das Prestige dieses autoritären Emirates gehörig aufpolieren. » Lesen
  • Über die moralische Verengung unserer Diskurse Die nervöse Republik

    Von Wolfgang Merkel
    Die Debatten - sei es zur Klimafrage, während der Coronapandemie oder jetzt zum richtigen Handeln im Ukrainekrieg - zeigen ein ähnliches Muster: die Moralisierung der eigenen Position und die Entmoralisierung der anderen Seite. Ein Muster, dass wir ähnlich schon 2015 in der Flüchtlingskrise zu Migrationsfragen sahen. Was erzeugt diese moralische Verengung unserer Diskurse? Warum ist diese Republik so nervös geworden? » Lesen
  • Ruangrupa und die documenta fifteen Teilbare Erfahrungen

    Von Katharina J. Cichosch
    Die künstlerische Leitung der documenta 15 liegt in den Händen eines zehnköpfigen Künstlerkollektivs aus Indonesien: Ruangrupa - Künstlerinnen und Künstler, Architekten, Musiker, andere Kreative und Kuratoren arbeiten zusammen. Das indonesische Kollektiv verkörpert viele aktuelle Diskurse und Tendenzen; so wie das indonesische Kollektiv hat die documenta noch niemand zuvor künstlerisch betrieben. » Lesen
  • Über die Freiheitsidee der Arbeit muss neu gesprochen werden Ein brüchiges Ideal

    Von Lea-Riccarda Prix
    Die Welt ist unsicherer geworden: Krieg, Klimakollaps, Coronapandemie ­– drei Stichworte für aktuelle Erschütterungen, die uns aus einer trügerischen Sicherheit gerissen haben. Auch im Alltag haben sich Gewissheiten aufgelöst. Viele Menschen haben zwar einen Job, können aber von den Einkünften kaum leben. Anregend über den Broterwerb hinaus ist ihre Arbeit kaum. Mit der Digitalisierung stellen sich alte Probleme neu, etwa das der Trennbarkeit von Beruflichem und Privatem. Umso wichtiger wird die Frage, was das eigentlich ist – und was es sein sollte: gute, sinnstiftende Arbeit. » Lesen
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