Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte - Die Zeitschrift für Politik und Kultur
Aktuelle Ausgabe: 11/2026
Abstieg
Der liberale Westen ist wahrlich in mancher Hinsicht akut abstiegsgefährdet. Zugleich ist er nach wie vor hoch attraktiv. Was sind die Maßstäbe, die menschlich und wirtschaftlich überzeugen? Sie sind in der Demokratie jeden Tag neu umkämpft. Das ist herausfordernd und doch gut so. Zu vielem liefert dieses Heft dabei Anregung, Hilfestellung, Nachdenkstoff.
Im Politischen ist Abstieg immer bedrohlich. Das ganze System ist auf Zuwachs ausgelegt und nicht auf Schrumpfen – selbst wenn Wachstumszahlen auf dem Papier durch andere Faktoren wieder konterkariert werden mögen, durch die Inflation zum Beispiel. Aktuell drängt das Thema Abstieg weit über das Wirtschaftliche hinaus. Bevölkerungsentwicklung, Pisa-Bildungstests, allerlei internationale Rankings: Abstiegsdaten, oft schon Abstiegsangst sind allgegenwärtig.
» Lesen
Von Richard Meng
Ohne bessere gesellschaftliche Verankerung werden SPD und Union ihren Status als Volksparteien verlieren
Abschied von der Mitte?
Obschon der Begriff der »Mitte« noch immer durch Politik und Medien geistert, haben die jüngsten Urnengänge gezeigt, dass der Begriff nahezu entkernt ist, zumindest, wenn man sich die Mitte als arithmetische Mehrheit von Wählern mit moderaten Einstellungen und stabiler Parteibindung vorstellt. Parteien operieren mit einem zunehmend sprunghaften Elektorat und profitieren dort, wo es ihnen gelingt, ein relevantes Problem aufzugreifen und ein klares politisches Angebot durch glaubwürdige Spitzenkandidaten zu präsentieren.
Von
Anna-Lisa Neuenfeld/
Marcel Lewandowsky |
Ausgabe 11/2026
In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage der deutschen Volkswirtschaft kreuzen sich auf ungewöhnliche Weise konjunkturelle und strukturelle Phänomene. Seit 2018 bewegt sich die Industrie in einem stabilen Sinkflug; ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit wirkt zusammen mit Anpassungsleistungen aufgrund steigender CO2-Preise sowie einer infolge des Fachkräftemangels (labour hoarding) ungünstigen Produktivitätsentwicklung.
Von
Michael Hüther/
Matthias Diermeier |
Ausgabe 11/2026
Seit Jahren ist bekannt, dass unser Bildungssystem strukturell veraltet ist, Lehrkräfte fehlen, Schulen marode sind und soziale Ungleichheit immer wieder reproduziert wird. Trotzdem verändert sich kaum etwas. Probleme werden analysiert, diskutiert und vertagt, während Generationen durch ein System gehen, das längst nicht mehr zeitgemäß ist. Die Zukunft eines Landes entscheidet sich nicht erst in Parlamenten oder auf Wirtschaftsgipfeln - sie entscheidet sich jeden Tag in Schulen, Universitäten und überall dort, wo in Menschen investiert wird.
Es wäre eine Verzwergung der Lage, die Krise von SPD und Grünen vor allem als spezifische Schwäche dieser beiden Parteien zu lesen. In fast allen westlichen Demokratien stehen Mitte-Links-Parteien unter Druck, und Mitte-Rechts-Parteien ebenso. Was erodiert, ist kein Parteityp, sondern ein Politikmodell: jene Konfiguration aus wirtschaftlicher Dynamik, gesellschaftlicher Öffnung und internationaler Verflechtung, aus der über Verfahren und Institutionen mehr Wohlstand, Sicherheit und Freiheit hervorgehen sollten. Es ist eine Krise des Liberalismus, und sie trifft die Progressiven besonders hart, weil sie an dieses Modell am meisten geglaubt haben. Entsprechend intensiv wird international nach Auswegen gesucht.
Von
Dominic Schwickert/
Paul Jürgensen |
Ausgabe 10/2026
Über die Gefahren für die Demokratie heute im Vergleich zur Weimarer Republik
Droht ein neues »1933«?
Der dramatische Aufstieg der AfD lässt viele fragen, ob die Berliner Republik der Weimarer in ihren krisenhaften Endjahren nicht immer ähnlicher werde. Gerade angesichts der neuen Mehrheitsverhältnisse in Sachsen-Anhalt wurde gefragt: Droht ein neuer 30. Januar 1933? Wer diese Frage verneint, der setzt sich schnell dem Vorwurf der Verharmlosung aus. Im Folgenden wird auch nicht bestritten, dass die bundesdeutsche Demokratie vor einer gravierenden Herausforderung steht, die schwerer wiegt als frühere rechtsradikale Wellen: der NSDAP-Nachfolgepartei SRP, der NPD, der Republikaner oder anderer Rechtsaußen-Listen.
Von
Peter Brandt |
Ausgabe 10/2026
Über die Gefahren für die Demokratie heute im Vergleich zur Weimarer Republik
Droht ein neues »1933«?
Der dramatische Aufstieg der AfD lässt viele fragen, ob die Berliner Republik der Weimarer in ihren krisenhaften Endjahren nicht immer ähnlicher werde. Gerade angesichts der neuen Mehrheitsverhältnisse in Sachsen-Anhalt wurde gefragt: Droht ein neuer 30. Januar 1933? Wer diese Frage verneint, der setzt sich schnell dem Vorwurf der Verharmlosung aus. Im Folgenden wird auch nicht bestritten, dass die bundesdeutsche Demokratie vor einer gravierenden Herausforderung steht, die schwerer wiegt als frühere rechtsradikale Wellen: der NSDAP-Nachfolgepartei SRP, der NPD, der Republikaner oder anderer Rechtsaußen-Listen.
Komplett überraschend sind Wahlergebnisse selten. Was sie aussagen über die Gesellschaft und ihre Entwicklung lässt sich schon in den Wahlkämpfen beobachten. Deshalb lohnt in diesem wildem Herbst der Rückblick auf die Wochen vor den regionalen Wahlen mit ihren stark gestiegenen AfD-Anteilen und den Zäsuren bei der CDU.
Peter Thiel und andere aus dem Silicon Valley bilden eine neue Kaste von Tycoons, mit denen sich Demokratien im Dauerkompromiss arrangieren: Staat und Wirtschaft sind abhängig von digitaler Technologie aus dem Privatbesitz von Milliardären. Kommunikation, Verwaltung, Militär – nichts geht ohne sie. Alle Bürger, die Google, Microsoft, Amazon, Social Media, ChatGPT oder PayPal nutzen, liefern jede Sekunde Daten an Plutokraten. Thiel gilt als der Intellektuelle unter den Tech-Milliardären, gewissermaßen als Vordenker. Der Gang durch sein Gedankengebäude beeindruckt neurechte Politiker. Es ist ein eher düsterer Bau im Stil der Ultralibertären.
Von
Caroline Fetscher |
Ausgabe 10/2026
NG/FH auf Englisch
Hier findest du ausgewählte Artikel in englischer Übersetzung.
Nach dem Wahljahr 2026 und vor den wichtigen Wahlen 2027 ist die Lage der SPD weiterhin prekär. Sie verliert fast überall an Zustimmung und wird zugleich fast überall gebraucht.
Ungarn ist im Umbruch. Mit der »Operation Fegefeuer« will die neue Regierung unter Péter Magyar das über zwei Jahrzehnte etablierte »Mafia-System« Victor Orbáns beseitigen. Korruption soll gestoppt, die Medien frei, der »illiberale Staat« in eine Demokratie zurückverwandelt werden, auch mithilfe einer neuen Verfassung, damit das Land nicht wieder in eine Autokratie abgleitet. Drei ungarische Autoren erzählen in ihren Romanen Männergeschichten, entwerfen Männlichkeitsbilder.
Von
Frauke Hamann |
Ausgabe 9/2026
Wie demokratiefeindliche Positionen den Diskurs erobern – und was man dagegen machen kann»Ist halt jetzt so«
Rechtsextreme Narrative werden zur Normalität – nicht nur in der Migrationsdebatte, sondern in Sprache, Politik und Bildung. Was vor wenigen Jahren noch als skandalös und undemokratisch galt, ist heute Teil des Mainstreams. Dieser Prozess ist kein Zufall, sondern Ergebnis gezielter Strategien.