Vor einigen Tagen war ich gemeinsam mit einer guten Freundin im Urlaub in Barcelona. Ich hatte Angst vor der Hitze, die in der Stadt herrschen sollten, da mir bereits zuhause die hohen Temperaturen zu schaffen machten. Als wir allerdings die ersten Tage durch die Stadt schlenderten, fiel mir die Fülle an Grün auf und das überraschend angenehme Klima. Dann erinnerte ich mich an die Worte meiner Mutter, dass die spanische Stadt sich das Ziel gesetzt habe, bis 2030 ihre Grünflächen und ihre Biodiversität enorm zu erweitern – das merkt man auch als deutscher Tourist. Es gibt autofreie breite Zonen, in denen angelegten Grünflächen den Fußgängerwegen Schatten spenden. Unter den Bäumen befinden sich einladende Sitzgruppen und auch verschiedene Angebote zur Freizeitbeschäftigung.
In Deutschland sieht es ganz anders aus. Vergleicht man dies mit der Bahnhofstraße, eine populäre Einkaufsstraße in Saarbrücken, so stellt man fest, dass dort nur vereinzelt mittelgroße Bäume vorhanden sind. Schatten kann man nur in den Passagen entlang der Schaufenster finden. Als Saarbrücker Student weiß ich nur zu gut, wie sehr sich der gepflasterte bzw. versiegelte Boden aufheizt. Es gibt in der Stadt einfach zu wenige Grünflächen. Dies ist die Realität in vielen deutschen Städten, die in Eile nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet und seitdem nicht weiter umgestaltet oder durchdacht wurden.
Im Park Ciutadella in Barcelona ließen wir uns auf den großen Wurzeln eines Baumes nieder. Dieser Ruheplatz war äußerst angenehm, da der Baum uns genügend Schatten bot und ebenso hatten mehrere Familien, Pärchen aber auch einzelne Personen die gleiche Idee, so dass wir uns alle zusammen um den Stamm des Baumes versammelten. Man konnte verschiedenste Sprachen hören, manche hatten ein Buch in der Hand und ein kleiner Junge spielte im Schutz des Laubes. Unter diesem Baum verspürte man nicht nur Erleichterung vor der Hitze, sondern auch das Gefühl von Gemeinschaft, da unterschiedlichste Menschen, Gruppen und Nationalitäten zusammenfanden.
Dieses kurze Innehalten machte mir eins klar, wir in Deutschland haben bei der Stadtplanung wichtige Aspekte nicht im Fokus. In Folge der Hitze und Trockenheit der letzten Wochen wird das Thema Begrünung unserer Städte vermehrt diskutiert, allerdings wurde mir bei meinem Besuch in Spanien klar, dass unser Ansatz nicht alle Vorteile ausreichend berücksichtigt. Es reicht nicht aus, einfach nur eine Reihe an Bäumen am Straßenrand zu pflanzen. Es braucht Konzepte, die auch uns Menschen einbeziehen.
Gegen Abend, als wir in Barcelona unterwegs waren, sah man eine Vielzahl an Menschen, die sich draußen in Parks trafen und z. B. Tischtennis spielten oder auf Parkbänken aßen. Solche Interaktionen sollten ein wichtiger Bestandteil unserer Ziele sein, neue grüne öffentliche Räume in Städten zu schaffen. Besonders wichtig erscheint es mir, in der Natur Begegnungsräume für alle Schichten der Gesellschaft und alle Altersgruppen zu errichten, wie ein Park mit verschiedensten Bäumen, selbstverständlich auf Biodiversität abgestimmt und Schatten bringend, mit einem Spielplatz, Sportplätze für Jugendliche und unterschiedlichen Sitzmöglichkeiten.
Denn wir haben auch ein anderes Problem: Hitze grenzt Menschen von ihrer Außenwelt ab – sie isolieren sich von ihrer Umwelt. Die hohen Temperaturen treiben sie weg von öffentlichen Flächen in ihre Wohnungen und Häuser. Es fehlt an Begegnungsstätten und sozialer Infrastruktur, die auch im Sommer zugänglich ist. Dies trifft ältere, wie auch jüngere Menschen. Soziale Kontakte und Bewegung fehlen, was Auswirkungen auf die physische und mentale Gesundheit hat. Gleichsam führt es zu Polarisierung und extremem Verhalten – vor allem in Bezug zur politischen Haltung, denn täglicher Austausch und Selbstreflexion sind essenziell für eine soziale und aufgeschlossene Denkweise.
Warum sollen sich Stadt und Natur ausschließen? Mit passenden Konzepten und Ideen ließen sich im öffentlichen Raum Gesundheit und Gemeinschaft fördern. Ob das die Umgestaltung und Erweiterung von existierenden Parks bedeutet, die Errichtung vertikaler Gärten oder die Bepflanzung von brachliegenden Seitenstreifen, der Kreativität sind bei diesem Thema keine Grenzen gesetzt.
Für die Zukunft wünsche ich mir, mehr Mut zur Veränderung, denn Herausforderungen eröffnen immer auch Raum für neue Möglichkeiten zur Gestaltung unserer Welt. Wenn wir uns mit den Primärproblemen Klimawandel und Überhitzung der Städte beschäftigen, ergeben sich auch Chancen für politisch-gesellschaftliche Veränderungen. Es können naturnahe Räume zur Begegnung geschaffen werden, die den Aufenthalt in der Stadt lebenswerter machen. Die sozialen Dimensionen des notwendigen Wandels schaffen Raum für Teilhabe, Gemeinschaft und für eine Zukunft, der man hoffnungsvoll entgegenblickt.
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