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© picture alliance / Zoonar | Olaf Adebahr

Eine Ära der Ungewissheit

Offensichtlich haben die meisten Menschen ein starkes Bedürfnis nach Gewissheit – im Hinblick auf ihr unmittelbares soziales Umfeld, bei den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen ihrer Lebensgestaltung und nicht zuletzt beim Blick in die nähere wie fernere Zukunft. Zurückhaltender formuliert: Sie haben ein durchgängiges Bestreben nach Reduktion von Unsicherheit, nach Begrenzung des Unvorhersehbaren, nach Verlässlichkeit und damit Vertrauensermöglichung.

Während nun dieser Wunsch nach Gewissheit eine Konstante im menschlichen Bedürfnishaushalt ist, sind die sozialen und kulturellen Konstellationen, auf die er trifft, ausgesprochen variabel. Es gibt Zeiten, in denen sie dem Bedürfnis nach Gewissheit entgegenkommen, aber ebenso auch solche, in denen sie ihm die kalte Schulter zeigen. Diese generelle Beobachtung hat sich in jüngster Zeit zu einem Paradox zugespitzt: Wiewohl die Fähigkeit zur Gestaltung der Rahmenbedingungen noch nie so groß war wie in der Gegenwart, befinden wir uns seit geraumer Zeit in einer Ära der Ungewissheit, die durch gesteigerte gesellschaftliche Nervosität, durch Zukunftsängste bis hin zu apokalyptischen Szenarien sowie durch Narrative, d. h. sinnstiftende Erzählungen, des Niedergangs gekennzeichnet ist.

Man kann dieses paradoxe Zusammentreffen von gesteigerter Handlungsmacht und schwindendem Zukunftsvertrauen in entgegengesetzte Richtungen auflösen. Entweder haben wir so wenig Zukunftsvertrauen, weil wir so handlungsmächtig sind wie nie zuvor, oder obwohl wir eine Handlungsmacht haben wie nie zuvor. Die Obwohl-Auflösung belässt immerhin die Aussicht, durch eine weitere Steigerung unserer Handlungsmacht auch wieder Zukunftsvertrauen zurückzugewinnen und so wieder in eine Epoche beruhigender Gewissheiten hineinzugehen, während die Weil-Auflösung unmittelbar in Kulturpessimismus mündet.

Der ist inzwischen allenthalben anzutreffen, und die Benennung unserer Gegenwart als Zeitalter des Anthropozän, also als das vom Menschen geformte Zeitalter, ist so etwas wie die zusammenfassende Überschrift für die diversen Formen des Kulturpessimismus. Betrachtet man diesen genauer, so handelt es sich bei ihm eigentlich um die Erschleichung von Gewissheit im Augenblick eines Versinkens im Ungewissen in der eigenen Vorstellung, nach dem Motto: Auch wenn alles ungewiss ist, so ist der Niedergang doch gewiss.

Politisch hat das desaströse Folgen, denn die einzige Chance, dem Untergang doch noch zu entkommen, ist dann ein eher hektisches als energisches, mehr willkürliches als wohlbedachtes Herumreißen des politischen Ruders, als wären die komplexen sozialen und politischen Systeme kleine stabile Boote, mit denen man derartige Manöver vollführen könnte.

Niedergangsnarrative, die Gewissheit sozusagen imitieren, können freilich auch in resignativer Melancholie enden. Sie verschaffen dem Einzelnen dann eine persönliche Gewissheit, die vielleicht unbehaglich ist, aber immerhin Orientierungswissen bereitstellt. Für Gesellschaft und Politik spielt diese private Melancholie jedoch keine sonderliche Rolle. Dass ist bei der aus dystopischen Erzählungen gespeisten Forderung nach einer radikalen Umkehr anders, gleichgültig, wer sie vorbringt, ob sie auf der politischen Rechten beheimatet ist oder vermeintlich ganz links, etwa bei radikalökologischen Gruppen. Radikale Wendemanöver führen in die politische Katastrophe, weil sie das System, auf das sie einwirken, grundsätzlich überfordern. Das mag in früheren Gesellschaften anders gewesen sein. Die komplexen Gesellschaften unserer Zeit lassen nur langsame und wohlbedachte Veränderungen zu.

Die Flucht aus der Realität durch »Rettung in letzter Sekunde« ist ein Akt der Verzweiflung, aber kein politisches Handeln. Politisches Handeln muss sich nämlich den vorherrschenden Ungewissheitsbedingungen stellen, diese aushalten und nach Antworten suchen, die so etwas wie Inseln der Gewissheit in einem Meer des Ungewissen bilden. Eine Politik, die auf suggestiven Niedergangsnarrativen beruht und sich aus diesen legitimiert, mag in den ihr verbundenen Zirkeln zwar großen Beifall finden, wird aber wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung in der Katastrophe enden, weil sie die Mittel des Gegenhandelns nicht geprüft und erprobt hat. Ihre einzigen Ratgeber sind Angst und Verzweiflung. Weil diese in Zeiten der Ungewissheit dramatisch an Einfluss gewinnen, muss man sie gerade in solchen Konstellationen von der Politik fernhalten.

Um das Bild von den kleinen Inseln in einem riesigen Ozean zu entschlüsseln, müssen wir uns noch einmal der Weil-Auflösung in der oben beschriebenen Paradoxie zuwenden: Wir haben zwar mehr Handlungsmacht und zugleich wissenschaftlich sehr viel zuverlässigere Methoden zur Antizipation von Entwicklungen als je zuvor. Unglücklicherweise durchkreuzen sich beide aber, verstärken sich also nicht gegenseitig, sondern kommen sich in die Quere und heben sich dabei oftmals auf.

Man kann das am Beispiel der Sicherheitspolitik beobachten: Was der eine politische Akteur als seine Fähigkeit zur Abwehr möglicher Angriffe gegen sein Territorium bzw. auf seine Kommunikations- und Steuerungssysteme im Sinne gesteigerter Handlungsmacht begreift, nimmt sein Nachbar als wachsende Bedrohung seiner eigenen Sicherheit wahr und trifft seinerseits Vorkehrungen, die vom ersten wiederum als Bedrohung wahrgenommen werden.

Dieser Mechanismus ist als Sicherheitsdilemma seit Langem bekannt. Was daran indes neu ist, ist sein Auftreten nach der am Ende der Ost-West-Konfrontation aufgekommenen Vorstellung, durch intensivierte wirtschaftliche Kooperation, Verrechtlichung der internationalen Politik und Vergewisserung gemeinsamer Werte und Normen lasse sich dieses Sicherheitsdilemma auflösen. Diese Vorstellung einer systemischen Koordination von Handeln und Antizipieren hatte sich in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten zu einem regelrechten Erwartungshorizont der Sicherheitspolitik verdichtet, bis er im Verlauf der letzten Jahre in einem schnell voranschreitenden Desillusionierungsprozess wieder zerfallen ist.

Eine Gewissheit, in diesem Fall eine Kombination aus politisch kluger Voraussicht und nachhaltiger Handlungsfähigkeit, hat sich aufgelöst, und mit der Rückkehr des Ungewissen hat sie ein Feld der Ratlosigkeit hinterlassen. Ein aggressiv-unberechenbares Russland, ein unaufhörlich an Macht und Einfluss gewinnendes China, politisch gespaltene USA, bei denen man nicht weiß, woran man ist, und eine hilflos agierende Europäische Union: Wo eben noch starke Gewissheiten dahinschwinden oder sich als trügerisch erweisen, tritt die Ungewissheit mitsamt dem ihr folgenden Empfinden von Hilflosigkeit umso wirkmächtiger hervor.

Die spezifisch deutsche Reaktion darauf besteht in der Beschwörung des vormaligen Erwartungshorizonts koordinierter Vernünftigkeit, der sich indes längst in durchsichtige Fetzen aufgelöst hat. Die politische Magie gebetsmühlenartig wiederholter Beschwörungen ist die kleine Schwester einer »Rettung in letzter Sekunde«. Auf den ersten Blick ist sie deren Gegenteil, doch tatsächlich folgt sie demselben Grundsatz: Sie flüchtet aus den vorherrschenden Ungewissheiten und verschanzt sich in vorgespielten Gewissheiten.

Seit Corona sind auch die kleinen Gewissheiten dahin

Noch deutlicher tritt dieser Zusammenhang am Beispiel der COVID-19-Pandemie zutage. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts herrschte die Auffassung vor, man könne gefährlichen Krankheiten mit Impfungen vorbeugen, und im Zeitalter der Antibiotika seien die meisten heilbar; wo das noch nicht der Fall sei, werde die medizinische Forschung demnächst Abhilfe schaffen.

Das war bis vor Kurzem eine Gewissheit, die Erfahrungsraum wie Erwartungshorizont der Menschen in wohlhabenden Gesellschaften bestimmt hat. Im Katalog der möglichen Herausforderungen, für die Präventionen zu treffen waren, waren Pandemien zwar enthalten, aber man war davon überzeugt, sie ließen sich auf periphere Regionen und bestimmte soziale Gruppen in diesen Gebieten begrenzen. COVID-19 hat diese Gewissheit ausgelöscht.

Obendrein hat sich das Virus erfolgreich den diversen Versuchen widersetzt, den Einbruch der Ungewissheit mit Gewissheitsbehauptungen einzugrenzen: Weder bekam man die Pandemie nach ein paar Monaten in den Griff noch stellten voranschreitende Impfkampagnen den vorpandemischen Zustand zügig wieder her, und die in liberaldemokratischen Ordnungen seitens der Politik verkündete Gewissheit, es werde keine Impfpflicht geben, ist zwischenzeitlich auch im großen Topf des Ungewissen gelandet.

Selbst die kleinen Gewissheiten, die eher begriffspolitisch suggeriert als lauthals deklariert wurden, sind dahin: Wenn etwa von einer »Jahrhundertpandemie« die Rede war und damit unterstellt wurde, auf COVID-19 werde im 21. Jahrhundert keine vergleichbare pandemische Welle mehr folgen. Inzwischen gibt es die Befürchtung, dass wir in ein »Jahrhundert der Pandemien« hineingegangen sind und Impfungen zu halbjährlichen Begleitern werden. Eine solche Annahme stellt eine der großen Gewissheiten der Moderne infrage: dass wir die Umstände unserer Lebensführung weitgehend beherrschen.

Die Erderwärmung ist ein weiteres Feld, wo Gewissheitsverluste und das Empfinden, verhängnisvollen Entwicklungen hilflos ausgeliefert zu sein, miteinander Hand in Hand gehen. Die Gefahr lässt sich hier klar beschreiben, aber die Mittel zu ihrer Abwendung würden unser Leben so tiefgreifend verändern, dass Viele, die prinzipiell für eine energische Bekämpfung des Klimawandels sind, vor dem Einsatz radikaler Gegenmaßnahmen dann doch zurückschrecken.

Eine antizipierende Vorstellung von den Folgen eines radikalen Umsteuerns lässt sie vor dem Gebrauch einer entsprechenden Handlungsmacht Abstand nehmen. Er wäre wohl mit der Absage an alles verbunden, wie sich die Meisten ihr Leben vorgestellt haben. Außerdem kommt hinzu, dass das handlungsmächtige »Wir«, wie jede Klimakonferenz aufs Neue zeigt, nur ein theoretisches »Wir« ist, das es in der politischen Realität nicht gibt: Der Gruppe der zumindest begrenzt zum Umsteuern bereiten Staaten steht eine mindestens ebenso große Gruppe gegenüber, die damit noch warten und zunächst einmal beobachten will, welche Folgen das Umsteuern bei den Anderen hat und wie die damit zurechtkommen. Oder, die eigene Zusagen mit weitgehenden Forderungen an die zum Gegenhandeln Bereiten verbinden.

Das wiederum hat zur Folge, dass auch die Bereiten zögern, weil sie nicht die Einzigen sein wollen, die das Risiko einer grundlegenden Veränderung zu tragen haben. Kurzum: Die Klimakatastrophe schreitet voran, weil wir uns des »Wir« der gesamten Menschheit nicht gewiss sind. In dieser Situation ist die Forderung, einige müssten mit gutem Beispiel vorangehen, nur ein Deckmantel für politische Hilflosigkeit, eine Reaktion auf Ungewissheit, die selbst nichts als Ungewissheit kommuniziert.

Die Liste an Beispielen für eine sich selbst steigernde Ungewissheit, die bei dem Versuch entsteht, der Fülle der Ungewissheiten wenigstens einige Gewissheiten entgegenzusetzen, lässt sich leicht verlängern: z. B. um die Vorstellung, eine bestimmte Organisation der Wirtschaft gehe mit der Ausbreitung des demokratischen Rechtsstaates Hand in Hand, bis zu der Erwartung, dass der steigende Wohlstand einer gutsituierten gesellschaftlichen Oberschicht nach unten durchsickert (trickle down) und schließlich auch in deren unteren Segmenten ankomme.

Wohlgemerkt: Ungewissheit heißt nicht, dass das Erwartete nie eintreten werde, dass es prinzipiell unmöglich sei – und das betrifft auch die Begrenzung des Klimawandels, die Pandemiebekämpfung und die Sicherheitsstrukturen. Ungewissheit hält nur fest, dass die gewünschte oder angestrebte Entwicklung nicht von selber erfolgt, dass man es nicht mit selbstläufigen Prozessen zu tun hat, auf deren kontinuierlichen Fortgang man sich verlassen kann.

Die Formel von einer »Ära der Ungewissheit«, in die wir eingetreten sind, hält eigentlich nur fest, dass wir beim Erreichen der angestrebten Ziele im Wesentlichen auf uns selber angewiesen sind. Die Beobachtung, in einer Zeit der Ungewissheit angelangt zu sein, ist also keine Lizenz zum Klagen und zu der larmoyanten Feststellung, frühere Generationen hätten es leichter und besser gehabt. Sondern sie verlangt uns einen kritischen Rückblick auf die Zeiten der Gewissheit und deren Selbstsicherheit ab sowie einen Sinn für das Paradoxe und den Umstand, dass Intention und Ergebnis zumeist nicht identisch sind. In Zeiten der Ungewissheit dominiert freilich die Intention; sie zumindest erscheint verlässlich. Aber das ist eine Falle.

Als erstes fällt auf, dass in früheren Zeiten der Gewissheit die Politik – die Machthaber, der Staatsapparat, das Rechtssystem – eine deutlich kleinere Rolle als Gewissheitsgaranten spielten, als das heute der Fall ist. Im Leben der meisten Menschen waren sie nur Substitute der großen metaphysischen Gewissheitsgarantie, die als Götter, Gott oder »das Göttliche« vorgestellt wurde. Menschliche Macht wurde über Jahrtausende nur als Erfüllungsgehilfe dieser Gewissheitsmächte gedacht. Sie konnte ihnen dienen oder zuwiderhandeln, aber letztlich verbürgten sie und nur sie, worauf man sich verlassen konnte.

Das lief im Prinzip auf eine umfassende Entlastung der Politik hinaus. In den Epochen der Aufklärung sind die Verantwortlichkeiten stets zulasten des Metaphysischen verschoben worden – aber doch auch nicht allzu sehr, denn fast immer war Aufklärung mit der Ausformulierung von Geschichtsphilosophien verbunden, die als funktionale Kompensationen für den metaphysischen Gewissheitsschwund dienten, gleichgültig, ob es nun Theorien des Niedergangs, des Fortschritts oder der zyklischen Zeitverläufe waren.

Geschichtsphilosophien waren (und sind) Implantate von Gewissheit in Konstellationen sich ausbreitender Ungewissheit. Die diversen Gewissheiten, an die sich die Menschen im 20. Jahrhundert (um in die Gegenwart zurückzukehren) klammerten, waren zu Ideologien geronnene Geschichtsphilosophien, von den Nationalismen über die unterschiedlichen Marxismen bis hin zu den Liberalismen, als deren letzte einflussreiche Variante die Prognose vom »Ende der Geschichte« gelten kann. Der Zerfall dieser Ideologien bzw. ihr Plausibilitätsverlust haben in die »Ära der Ungewissheit« geführt.

Man kann das auch als ein »Ans-Ziel«-Kommen der Aufklärung begreifen: Wir haben uns der eingebildeten Sicherheitsgaranten entledigt und stehen nun auf uns allein gestellt da. Das heißt: Wir hatten im Prinzip immer schon unser Geschick in den eigenen Händen, aber jetzt sind wir genötigt, uns auch dessen bewusst zu werden.

Marx und Nietzsche haben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf unterschiedliche Weise diese Vorstellung durchdacht: Marx hat sich die Folgen dessen als leicht handhabbar vorgestellt, Nietzsche dagegen als ungeheuer schwer und belastend, weswegen er das Ertragen dessen als übermenschlich beschrieben hat. Im Unterschied zu Marx stand ihm keine Geschichtsphilosophie als Stütze des Ertragens nachmetaphysischer Ungewissheit zur Verfügung.

Der Einbruch des Ungewissen in eine Ära der Gewissheiten ist also keineswegs die unmittelbare Folge gewachsener Instabilitäten in der Sicherheitsarchitektur oder des Klimawandels oder auch der überraschenden Ausbreitung von COVID-19 im globalen Ausmaß. Diese Entwicklungen haben freilich unseren Blick auf die erodierenden Gewissheiten fokussiert und uns bewusst gemacht, in welchem Ausmaß wir auf uns allein gestellt sind, wenn wir nach Sinn und Gewissheit als haltenden Mächten des Lebens suchen.

So mancher hält diese Einsamkeit nicht aus und zieht sich in die entleerten Räume metaphysischen Wissens erster Begründungen und letzter Fragen zurück, in denen sich inzwischen religiöse Fundamentalismen breit gemacht haben, oder er nimmt Zuflucht bei Verschwörungstheorien, die über die Fiktion mächtiger Akteure im Hintergrund zumindest Reste von scheinbaren Gewissheiten in die Welt setzen. Beides sind, nimmt man die oben beschriebenen Herausforderungen ernst, nur Fluchtbewegungen, mit denen man sich selbst in Sicherheit zu bringen sucht. Belastbare Antworten, gar Lösungen sind davon nicht zu erwarten.

Das freilich macht deutlich, unter welch ungeheurem Erwartungsdruck die Politik inzwischen steht: Sie muss nicht nur operative Antworten entwickeln, sondern darüber hinaus auch zumindest einige Gewissheiten vermitteln, denn sie braucht diese, um auf die Unterstützung relevanter Mehrheiten in demokratischen Gesellschaften setzen zu können. Autoritäre Ordnungen, zumal solche mit Gewissheitssurrogaten, haben es da erheblich leichter – was unter anderem erklärt, warum wir es gegenwärtig mit einer Renaissance des Autoritären zu tun haben.

Die Krise der Gewissheiten ist zu einer Gefahr für die liberale Demokratie geworden. Diese Herausforderung wird sich nur meistern lassen, wenn eine überwältigende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger die Krise der Gewissheiten als Chance einer wohlbedachten und doch durchweg riskanten Gestaltung ihres Lebens begreift. Das ist das große politische Experiment unserer Zeit. Dessen Ausgang ist, wie alles andere auch, ungewiss.

Kommentare (1)

  • Gerald Ullrich
    Gerald Ullrich
    am
    "Radikale Wendemanöver führen in die politische Katastrophe, weil sie das System, auf das sie einwirken, grundsätzlich überfordern. Das mag in früheren Gesellschaften anders gewesen sein. Die komplexen Gesellschaften unserer Zeit lassen nur langsame und wohlbedachte Veränderungen zu"
    Mir ist es einigermaßen unbegreiflich, wie man heute noch zu einer solchen Aussage gelangt, also nach den radikalen Eingriffen in gesellschaftliches Abläufe, wie wir sie in den letzten zwei Jahren durch die Pandemie erlebt haben, wohlgemerkt: OHNE die politische Katastrophe zu erleben, die der Autor da sicher zu prognostizieren glaubt!
    Auch wird hier mit vielen Worten der Eindruck von UNgewissheit suggeriert, die da angeblich in unser aller Leben "einbricht", wo es statt dessen GEWISSHEITEN sind, die uns seitens der Wissenschaft SEIT JAHREN an die Wand malen, nämlich dass bei unverändertem Weiter so gewiss ist, das nichts mehr bleibt, wie bisher - und zwar global. Da bricht nichts ein, sondern da wird etwas mit aller Macht ausgesperrt, nämlich die immer dringendere Mahnung, endlich etwas Grundlegendes zu ändern.
    Der ganze Text trieft nur so von der für unsere Zeit charakteristischen, aber vermutlich desaströsen "Ja, aber-Mentalität". Weiter so!
    Alles andere würde ja unsere Systeme "überfordern". Dass "unsere Systeme" eingebunden, also TEIL von anderen Systemen sind, und dass diese anderen Systeme (Ökosysteme, Klima) sich nicht einen Moment darum scheren werden, was "unsere Systeme" gerne hätten, steht auf einem anderen Blatt. Wird man dann dereinst besser wissen.

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