Die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben gemein, dass sie bei aller Dramatik mit neuer Aufbruchstimmung nicht zu verbinden waren. Es gibt im Land keine großen Debatten trotz vieler großer offener Themen. Ausstrahlungskraft und Mobilisierungsfähigkeit? Besonders die SPD ist davon inzwischen weit entfernt, wie das Mainzer Beben bestätigt.
Frust kann lethargisch machen oder auch wütend. Was überzeugt Menschen, was reißt sie mit? Die populistische Rechte spart nicht mit Emotion, zunehmend auch Aggression – sehr gezielt im Netz und darüber hinaus speziell beim Versuch, damit liberale bis linke Positionen ins Unrecht zu setzen. Aber es stimmt: Argument und Gefühl sind immer untrennbar gewesen. Blutleere Rechthaberei hat nie überzeugt. Erkennbar auch, dass technokratisches Management alleine nicht reicht. Erst recht nicht, wenn Ratlosigkeit die zentrale Grundstimmung ist, wie es der Soziologe Heinz Bude im Interview hier im Heft sagt. Eine Ratlosigkeit, die der Politik wenig zutraut. Inszenierte Emotion, gefühlige Lautstärke alleine ändern das nicht.
Weil (Vorsicht!) vielleicht ja nur die Verve fehlt, um eine als richtig erkannte Politik mehrheitsfähig zu machen? Nochmal Vorsicht: Vielleicht verhilft mehr Emotion auch nur zu besserer Laune in den eigenen Reihen. Doch Selbstsicherheit kann in Selbstisolation münden. Auch das zeigen mitunter Wahlen.
Das Thema wird durch die Verschiebungen in der Kommunikationswelt, durch die prägende Bedeutung von vorgegebenen Algorithmen im Netz und die so elend vorgabenkonforme Künstliche Intelligenz noch schwieriger. Es ist uralt, aber so gesehen auch hochgradig dringend, entscheidend geradezu. Genau jetzt ist der Zeitpunkt, es neu zu betrachten. Abwägend und lernend, vor allem aber kraftvoll und offensiv im Ergebnis. Die Emotion erfolgreicher Zukunftspolitik: Wer verkörpert die – und durch was?
Dieses Heft soll ein Anstoß dazu sein, progressive Politik in diesem Sinne ganzheitlicher zu sehen. Authentisch, nicht gekünstelt. Schon gar nicht überheblich, aber mit Herz. Klingt altmodisch, ist hochaktuell: Bewegung schaffen.


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