Im Städteranking des Instituts der deutschen Wirtschaft beispielsweise belegen bei der Frage danach, wo es sich am besten lebt, München, Stuttgart und Ingolstadt die ersten Plätze. Vergleicht man jedoch, welche Städte in den vergangenen Jahren beim Standortwettbewerb aufgeholt haben, liegen Mainz, Frankfurt am Main und Düsseldorf an der Spitze; und geht es um die beste Infrastruktur, liegt Potsdam vor Regensburg und Ingolstadt. Beim Thema subjektives Wohlbefinden steht beispielsweise im SKL Glücksatlas Erfurt auf Platz eins, gefolgt von Augsburg und Düsseldorf.
»Schlecht steht Deutschland international bei Preisniveau und Steuerpolitik da.«
Nationales BIP, Produktivität oder Beschäftigungszahlen allein geben also kein vollständiges Bild der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bzw. seiner Wirtschaft. Aber bei der Orientierung und Einordnung können sie dennoch helfen, gerade auch bei der Betrachtung, wie sie sich entwickeln und welche Wirkung Reformen haben. Im Index »World Competitiveness Ranking 2026« des Schweizer Instituts »IMD – International Institute for Management Development« beispielsweise ist Deutschland seit 2022 von Platz 15 auf heute Platz 23 gefallen. Besonders negativ haben sich dabei die Indikatoren für die Grundinfrastruktur und die öffentlichen Finanzen entwickelt. Schlecht steht das Land im internationalen Vergleich beim Preisniveau und der Steuerpolitik da. Leicht verbessert haben sich Produktivität und Effizienz, aber auch die Digitalisierung macht Fortschritte.
Energie, Steuern, Bürokratie
Gerade die hohen Preise und die steuerliche Abgabenlast, sowohl für Unternehmen wie auch für Haushalte, machen dem Standort Deutschland schon seit Jahren zu schaffen. 2025 zahlten deutsche Haushalte europaweit die höchsten Strompreise, die deutsche Wirtschaft die dritthöchsten. Ursächlich dafür sind zum einen geopolitischen Faktoren, wie Ukraine-Krieg oder Iran-Krieg. Die treiben für alle Akteure die Kosten nach oben. In Deutschland kommen aber zusätzlich hohe Netzentgelte, die für massive Investitionen in die Stromtransportinfrastruktur benötigt werden, diverse Steuern und Abgaben sowie der Wegfall günstiger Grundlastkraftwerke dazu.
»Die Maßnahmen der Energieministerin erschweren die nötige industrielle Transformation.«
Die Bereitstellung kostengünstigen Stroms ist die zentrale Aufgabe für die Bundesregierung, um den Standort wettbewerbsfähig zu machen. Dafür sollte sie Investitionen in Netze, Stromspeichertechnologien und Erneuerbare Energien erleichtern und unterstützen und die Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern, wie Erdgas und Öl, reduzieren. Die fortwährende Abhängigkeit von Energieimporten ist eine große Belastung für den Standort Deutschland. Die Entwicklung der Kosten ist volatil und unkontrollierbar – sie schwankten in den zurückliegenden Jahren massiv, aber mit andauerndem Aufwärtstrend. Ziel der Energiepolitik der Bundesregierung muss daher sein, ein optimales Zusammenspiel von heimischer Energieerzeugung, Netzausbau, Energiespeicherung und Flexibilität zu erreichen. Die aktuellen Maßnahmen der Energieministerin deuten jedoch nicht in diese Richtung und erschweren die nötige industrielle Transformation.
Die steuerlichen Belastungen sind ein weiterer Negativfaktor für den Standort Deutschland. Die Debatte zur Reform der Einkommenssteuer dreht sich bereits seit Jahren im Kreis. Der Faktor Arbeit ist so hoch mit Abgaben und Steuern belastet, wie in kaum einem anderen europäischen Land. Das behindert das Wirtschaftswachstum, reduziert die Bereitschaft, das Arbeitsangebot auszuweiten und limitiert die Unterstützung der Konjunktur durch Kaufkraftsteigerungen. Wer knapp die Hälfte jedes zusätzlich verdienten Euros an den Staat abgeben soll, hat wenig Anreize als Unternehmer zu investieren oder als Beschäftigter mehr zu arbeiten.
Doch nicht nur Steuern hemmen die unternehmerische Tätigkeit in Deutschland. Die direkte bürokratische Belastung, so zeigen Berechnungen der IW Consult, die Unternehmen hierzulande durch die Erfüllung bundesrechtlicher Vorgaben entsteht, betrug zuletzt 67,5 Milliarden Euro im Jahr. Statt die entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen sinnvoll zu investieren, fließen sie in das Ausfüllen von Formularen.
Unstrittig ist, dass ein funktionierender Staat nicht kostenfrei zu haben ist – Steuern und Abgaben sind erforderlich, um das Gemeinwesen zu finanzieren. Zugleich darf die Belastung nicht über ein tragfähiges Maß hinausgehen. Kapitalgesellschaften in Deutschland mussten im Jahr 2024 laut Steuertarif gut 30 Prozent ihres Gewinns an den Staat abführen – das war im OECD-Vergleich der dritthöchste Wert. Damit stehen deutsche Firmen schlechter da, als die europäische oder gar globale Konkurrenz. Werden Unternehmen etwa zu stark zur Kasse gebeten, bleibt ihnen weniger Spielraum für notwendige Investitionen. Das kann langfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen, das Wirtschaftswachstum bremsen und dadurch letztlich auch die Steuereinnahmen mindern. Die Absicht der Bundesregierung, die Körperschaftssteuer ab 2028 schrittweise von 15 auf zehn Prozent zu senken, ist vor diesem Hintergrund begrüßenswert.
Vorgaben und Informationspflichten, gerade wenn es um Qualitäts- und Sicherheitsstandards geht, lassen sich zeit- und kosteneffizienter gestalten.
Unstrittig ist auch, dass Regulierung notwendig ist, gerade wenn es um Qualitäts- und Sicherheitsstandards geht. Aber auch diese Vorgaben und Informationspflichten lassen sich zeit- und kosteneffizienter gestalten. So dauerte im Jahr 2023 die Zulassung eines neuen Wirkstoffs durch die European Medicines Agency (EMA) im Mittel 453 Tage. Die Food and Drug Administration (FDA) in den USA benötigte hierfür lediglich 333 Tage. D. h. der Marktzugang erfolgte in den USA deutlich schneller. Wenn ein global agierendes Unternehmen eine Investitionsentscheidung für seine Standorte, beispielweise bei Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aber auch für die Grundstoffproduktion trifft, sind solche Unterschiede von Bedeutung. Hier muss das Bemühen der Bundesregierung dahin gehen, Best-practice-Beispiele zu studieren und in das eigene Verwaltungsmanagement zu übernehmen.
Der Blick über den nationalen Tellerrand auf die europäische Ebene hat einige positive Vorbilder zu bieten: Spanien beispielsweise ist derzeit, mit 2,8 Prozent Wirtschaftswachstum im vergangenen Jahr, der europäische Wachstumsmotor, getrieben v. a. auch durch günstige Energie und niedrigere Arbeitskosten sowie durch Zuwanderung. Dank Erneuerbarer Energien sind die Strompreise die niedrigsten in Europa und locken damit auch internationale Investoren an.
Die Bedeutung günstiger Energiepreise
Das Land nutzte Gelder aus dem europäischen Aufbaufonds, um mit öffentlichen Investitionen den Anteil der Erneuerbaren im Energiesektor erheblich zu steigern. Nach Schätzungen der Großbank BBVA ist rund die Hälfte des Wirtschaftswachstums von 3,5 Prozent im Jahr 2024 auf Zuwanderer zurückzuführen. Der spanischen Regierung ist es offenbar gelungen, Immigranten, insbesondere aus Latein- und Südamerika, rasch in den Arbeitsmarkt einzugliedern.
Die deutsche Bundesregierung täte gut daran, sich an anderen erfolgreichen europäischen Ländern zu orientieren.
Auch die polnische Wirtschaft boomt. Hier geht das Wachstum von ca. drei Prozent in 2025 v. a. auf eine steigende Arbeitsproduktivität zurück und auch die Polen nutzten europäische Gelder, um die Infrastruktur zu modernisieren. Polen erfreut sich einer der höchsten Selbstständigen-Quoten in der EU, v. a. dank niedriger Steuern und Sozialbeiträge. Die Arbeitskosten spielen also auch hier eine entscheidende Rolle und die Steuerpolitik bietet, anders als in Deutschland, Anreize für Unternehmer.
Auch andere EU-Staaten wie Litauen und Irland können auf eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik verweisen. Bei der genaueren Betrachtung zeigt sich immer wieder die Bedeutung günstiger Energiepreise sowie einer modernen und funktionsfähigen Infrastruktur.
Ob kleine oder große EU-Staaten – die Erkenntnisse sind vergleichbar und die deutsche Bundesregierung täte gut daran, sie für die eigene Politik zu berücksichtigen.

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