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Universitäre Überarbeitungskultur unter Veränderungsdruck Macht endlich Feierabend!

Originelle Forschungsfragen ersinnen, Theorien und Methoden mitreißend vermitteln, wissenschaftliche Einsichten zugänglich an die Öffentlichkeit kommunizieren: Arbeit in der Wissenschaft ist eine Tätigkeit, die von der Kreativität und Motivation derer lebt, die sie verrichten. Zugleich spielt sie sich jedoch vielfach innerhalb von Rahmenbedingungen ab, die vor allem Erschöpfung und Sorgen provozieren – das ist alles andere als dienlich: Es schadet der Forschung, Lehre und Wissenschaftskommunikation nicht weniger als den wissenschaftlich Beschäftigten. Denn wer in Deutschland Wissenschaft als Beruf ausübt, leistet zumeist unbezahlte Überstunden in beachtlicher Zahl, kommt durch entgrenzte Arbeitszeiten rasch ans Limit der eigenen Leistungs-fähigkeit und tut all das oftmals noch in beständiger Angst um die persönliche berufliche Existenz: Das Gros der deutschen Wissenschaftler_innen ist befristet beschäftigt und hangelt sich von Kettenvertrag zu Kettenvertrag, bis für die meisten mit über 40 der erzwungene Ausstieg aus der Wissenschaft erfolgt.

Das liegt vor allem am Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG), das hierzulande Befristung in der Academia regelt. Es ermöglicht bis zu sechs Jahre Befristung vor und dann nochmal bis zu sechs Jahre nach der Promotion. Wer anschließend keine der raren Professuren oder eine der wenigen anderen unbefristeten Stellen ergattert, scheidet aus, meist unfreiwillig, und findet sich plötzlich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wieder, der je nach Fach eher nicht auf Personen wartet, die jahrzehntelang alles in eine Karriere innerhalb der Wissenschaft investieren mussten, statt auch einmal nach links und rechts zu schauen.

Academias Überarbeitungskultur frisst ihre Kinder

Tatsächlich ist dieser Tunnelblick, mit dem Wissenschaftler_innen durch ihren Arbeitsalltag hetzen, wesentlich einem komplexen Geflecht aus problematischen Anreizen innerhalb des Wissenschafts-systems geschuldet. Da ist etwa das inzwischen auch außerhalb der Wissenschaft bekannte Prinzip »publish or perish«, das Wissenschaftler_innen zu immer zahlreicheren Publikationen zwingt, um im unerbittlichen Konkurrenzkampf um knappe Stellen und Fördermittel zu reüssieren, oder auch die ständige Notwendigkeit, sich um die eigene berufliche Zukunft zu bemühen. Das passiert etwa durch den Versuch, entsprechende Fördermittel einzuwerben, die in Zeiten knapper Haushalte und Kürzungen im Bildungsbereich zur Finanzierung der eigenen Beschäftigung immer wichtiger werden. Aber auch das Schreiben von Bewerbungen hat für die Beschäftigten, das System und damit auch die Steuerzahler_innen irrsinnig hohe Kosten: Aufgrund der ausufernden Befristung und der knappen Laufzeit der Verträge, die oft nicht einmal zum Abschluss der Promotion oder eines anderen gerade verfolgten Forschungsprojekts reichen,

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