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Zwischen Hitze und HoffnungMein Zukunftsbild (4)


Mein Zukunftsbild – Zwischen Hitze und Hoffnung 
Anastasia Sophia Helmschrot

Mir ist heiß und trotzdem läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Denn, auch wenn es in der Politik und Gesellschaft immer wieder klein geredet wird: Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur eine Umweltfrage, sondern eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Hitzewellen sorgen dafür, dass Wohnungen zu Backöfen werden, Infektionskrankheiten ihren Weg nach Europa finden und unser belastetes Gesundheitssystem unter weiterem Druck steht. Das zeigt, dass wir vor einer Veränderung stehen, vor welcher wir nicht länger die Augen verschließen dürfen. Und das lässt mich mit einem mulmigen Gefühl zurück. Denn sind wir darauf überhaupt ausreichend vorbereitet?

Als Kind dachte ich bei heißen Sommertagen an Eis und Freibad. Heute denke ich zuerst an Hitzewarnungen und die Frage, wie ältere oder chronisch kranke Menschen diese Tage überstehen sollen. Dass sich meine Wahrnehmung innerhalb weniger Jahre so verändert hat, zeigt mir, wie nah diese besorgniserregende Zukunft eigentlich schon ist. Es gibt gewiss Gründe für Optimismus. Denn die Zusammenhänge, die zwischen Klima und der Gesundheit existieren, werden in der heutigen Zeit besser verstanden als noch vor wenigen Jahren. In der Forschungslandschaft ist es längst Thema geworden und viele Städte entwickeln langsam Hitzeaktionspläne. Das Bewusstsein darüber wächst, dass Klimaschutz immer auch Gesundheitsschutz ist. Und doch vermitteln gesellschaftliche Debatten immer wieder den Eindruck, als sei Vorsorge ein Luxus, den wir uns erst später leisten könnten. Doch gerade jetzt müssten wir in diesen Bereichen investieren: In Prävention, Forschung und ein Gesundheitssystem, das auch unter den Bedingungen des Klimawandels leistungsfähig bleibt.

Und genau hier liegt vielleicht das größte Problem. Wir denken Zukunft in Wahlperioden, Haushaltsjahren oder eben nur bis zum nächsten Sommerurlaub. Aber der Klimawandel wird sich nicht an einen politischen Kalender halten. Seine Folgen entfalten sich über Jahrzehnte, und genau deshalb fällt es vielen so schwer, heute Entscheidungen zu treffen, deren Nutzen möglicherweise erst unsere (Enkel)Kinder vollständig erleben werden. Aber es sind nicht mehr nur zukünftige Generationen betroffen. Wir sind es auch.

Ich würde ebenfalls gerne im Hier und Jetzt leben, und die Gegenwart genießen – und auch politische Entscheidungen orientieren sich an kurzfristigen Erfolgen, während die Folgen der derzeitigen (fehlenden) Klimapolitik spätere Generationen betreffen werden. Wir können es uns nicht mehr leisten, Zukunft nur als eine persönliche Frage zu verstehen, denn sie ist so viel mehr: Sie ist zugleich eine gesellschaftliche, europäische und globale Aufgabe.

Die Weichen für die Zukunft müssen jetzt neu gestellt werden. Es ist unsere Pflicht, in ein widerstandsfähiges Gesundheitswesen zu investieren, Forschung zu klimabedingten Gesundheitsrisiken zu fördern, sowie für eine bessere Gesundheitsbildung und eine konsequente Klimapolitik zu sorgen. Die zukünftigen Kosten, die uns treffen, wenn wir nicht handeln, können nur höher sein als heutige Investitionen.

Trotzdem weigere ich mich, in der Zukunft nur eine Bedrohung zu sehen. Ich erlebe stetig, wie schnell sich Wissen entwickeln und wie viel möglich werden kann, wenn Politik, Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam handeln. Ich stelle mir nicht die Frage, ob wir Veränderungen schaffen können – sondern nur, ob wir den Mut haben, früh genug damit anzufangen.

Und auch, wenn es mir schaudert, wenn ich morgens in den Wetterbericht schaue und die hohe Temperaturvorhersage für den Tag sehe: Es ist noch nicht alles verloren und ich spüre noch so etwas wie Tatendrang und Optimismus in mir. Unsere Zukunft kann noch geprägt werden von den 

Entscheidungen, welche wir heute treffen. In der Gesundheitspolitik besteht die Möglichkeit, Klimaschutz und Gesundheitsförderung gemeinsam zu denken. Wenn wir bereit sind, vorausschauend zu handeln und Verantwortung über den eigenen Tellerrand hinaus zu übernehmen, kann aus einer großen Herausforderung auch eine Chance für eine gesündere und gerechtere Zukunft entstehen. 
Ich denke nicht ohne Krisen an unsere Zukunft. Aber in meinem Zukunftsbild gestaltet sich eine Welt, in der wir begreifen, dass Gesundheitsfragen nicht erst mit betroffenen Patient*innen im Krankenhaus beginnen, sondern dort, wo wir über Fragen des Klimas, Städte, Mobilität und soziale Gerechtigkeit entscheiden. Die Zukunft wird nicht einfach passieren. Sie ist das Ergebnis dessen, was wir heute bereit sind zu verändern. 
In der Zukunft wird es heiße Sommer geben. Die Frage ist nicht, ob wir schwitzen werden. Die Frage ist, ob wir bis dahin dazu gelernt haben, unsere Gesundheit und die der kommenden Generationen besser zu schützen. Noch haben wir diese Wahl. Die Zukunft muss uns nicht nur Angst machen – sie gibt uns auch einen Auftrag.
 

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