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Klimaschutz und Klimaanpassung müssen zusammengedacht werden Nachhaltige Lebensräume

Bauen ist mit einem Anteil von rund 30 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen, 50 Prozent am Ressourcen- und 70 Prozent am Flächenverbrauch umweltrelevant und materialintensiv wie kaum eine andere Branche. Mit jährlich mehr als 600 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung ist die Bauwirtschaft ökonomisch noch stärker als die Autoindustrie. Wichtiger: Wie wir Gebäude bauen, Städte anlegen und entwickeln prägt uns Menschen auch sozial. Wir identifizieren uns mit unseren Häusern, Quartieren, Dörfern, Städten und Regionen, wenn sie schön und stabil sind und gut funktionieren. Gute Lebensräume wirken identitätsstiftend und sozial wie wirtschaftlich stabilisierend. Wer in Sachen Klimaschutz und Klimaanpassung vorankommen will, muss Fortschritte erstens beim Bauen, zweitens im Bestand erzielen.

In den Städten zeigt sich der Klimawandel wie unter Brenngläsern, sie sind aber zugleich auch Hebel im Kampf dagegen. Der Ressourcenverbrauch fällt zum größten Teil in Städten an. Zugleich ist ausgerechnet diese Konzentration eine Chance, wirksam für Klimaschutz und Anpassung zu agieren. Wie lassen sich Städte lebenswerter, resilienter, klimagerechter, ressourceneffizienter (um)bauen? Welche Aufgaben, Hemmnisse oder Widerstände bestehen?

»Erderwärmung ausschließlich per CO2-Reduktion zu bekämpfen und sich nicht auf die Klimawandelfolgen einzustellen wäre kollektiver Selbstmord.«

Wetterextreme erinnern uns regelmäßig daran, dass wir neben Klimaschutzmaßnahmen unsere Lebensräume auch an die Folgen des Klimawandels und Wetterextreme anpassen müssen, also etwa an Hitze, Dürre oder Flut. Zwar ist man ob der Wucht der Wetterextreme oft sprachlos. Aber mit kühlem Kopf lässt sich Einiges machen. Und ja, es schleicht sich ein ähnliches Muster wie beim Klimaschutz ein: jahrlang bekannt und wenig getan. Bei der Klimaanpassung ist es noch schlimmer. Jahrelang bekannt, noch weniger getan und als Verzögerungstaktik diffamiert. Dabei geht es ebenfalls um Schutz von Mensch, Tier und Umwelt. Klimaanpassung ist mindestens so wichtig wie Klimaschutz; das ist kein Entweder-oder, sondern ein sowohl-als-auch. Die Erderwärmung ausschließlich per CO2-Reduktion zu bekämpfen und sich nicht auf die Klimawandelfolgen einzustellen wäre kollektiver Selbstmord.

Klimaanpassung braucht einen Dreiklang an Maßnahmen

Erstens gilt es, kritische Infrastrukturen zu schützen, sodass ihr Betrieb im Katastrophenfall funktioniert. So sollten wichtige Verkehrsknotenpunkte, die für Versorgung und Transport von Hilfsgütern funktionieren müssen, eine hohe Sicherheitsklasse erfüllen. Brücken dürfen einer Flut keinen Angriffspunkt bieten, also sind etwa Stützen in der Mitte reißender Flüsse zu vermeiden oder besser zu sichern. Bushaltestellen müssten, bei Wahrung der Barrierefreiheit, auch beim Starkregen nicht buchstäblich im Wasser stehen. Krankenhäuser etwa brauchen für den Notfall Klimaanlagen. Und bei Hitzewellen sollten Kitas, Schulen, Arztpraxen und andere Einrichtungen dank kluger Bautechnik und wenn nötig auch Klimaanlagen besuchbar bleiben.

Zu viel Flächenversiegelung leistet Überschwemmungen und Hitze praktisch Vorschub.

Zweitens geht es um städtebauliche Korrekturen. Durch zu viel Flächenversiegelung wird Überschwemmungen und Hitze praktisch Vorschub geleistet. So wird aus jeder erhöhten Temperatur schnell eine Hitzewelle, aus jedem Starkregen eine Flut. Unsere Lebensräume, ob Städte oder Dörfer, sollten inhärent hitze- und wassersensibel umgebaut werden, Stichwort Schwamm-städte. Eine Balance zwischen Grün, Blau und Grau, also zwischen Grün-, Wasser- und bebauter Fläche ist dabei wichtig. Die Maßnahmen reichen vom Freihalten natürlicher Lüftungs- und Kühlungsschneisen sowie mehr Verschattung und Bäume über sickerfähige Oberflächen, Entsiegelung, Renaturierung, Nutzung von Regenwasser bis hin zu leistungsfähiger Infrastruktur.

Auch an und in Gebäuden ist einiges zu tun. Helle Farben reflektieren Sonnenlicht, dunkle heizen sich auf. Wo platziere ich Fenster? Wie den Hitzeeintrag ins Haus reduzieren? Früher waren Dachüberstände und Fensterblenden üblich, die gegen Hitze und Schlagregen halfen. Warum wird so nicht mehr gebaut? Je nach

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