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Nachschlag: Zwischen oben und unten, davor und danach

Wer hinten sitzt, fürchtet den Stillstand. Die Sorge, etwas zu verpassen ist ein ständiger Begleiter. Da kann es nicht überraschen, dass viele sich auf den Wettbewerb beziehende Metaphern aus der Verkehrssprache stammen. Das Schlusslicht sowie die »rote Laterne« sind laut Wikipedia Bestandteile der Systematik zum gesicherten Fahrbetrieb von mehreren aufeinanderfolgenden Zügen auf dem gleichen Streckengleis. Mit Hilfe des Zugschlusssignals, heißt es dort, kann die Vollständigkeit von Zügen visuell durch das Bahnbetriebspersonal überprüft werden. Wo die rote Laterne aufleuchtet, ist nicht nur das Ende, es lauert dort auch Gefahr. Das Signal warnt vor Karambolagen ebenso wie vor der Möglichkeit, abgehängt zu werden. Die naheliegende Verbindung von Schlusslicht und Abstieg, eine Art Endstufe des Misserfolgs, folgt einem im Sport vorherrschenden Grundbedürfnis nach klaren Verhältnissen und einfachen Regeln.

Im Abstieg wird Unerbittlichkeit zelebriert, oben und unten stehen für eine unhintergehbare Leistungsgerechtigkeit, die über Zahlen und Fakten ermittelt wird. »Die Tabelle lügt nicht« heißt es zur Bestätigung der Klassifizierung nach Resultaten. Schön spielen reicht nicht. Bei der Bewertung des sportlichen Tuns gibt es keinen Konjunktiv, unterm Strich bleibt die klare Unterscheidung von Gewinnern und Verlieren und die idealisierte Vorstellung von gerechter Verteilung. Trotz aller ins Unermessliche gesteigerten Übertreibungen gilt Sport, insbesondere Fußball, als eines der wichtigsten gesellschaftlichen Referenzsysteme. In der nächsten Saison beginnt alles wieder von vorn. Anders als von der sozialen Wirklichkeit bestätigt, können Absteiger wieder aufsteigen. Es gilt als Voraussetzung sportlichen Tuns.

»Innerhalb des Sportsystems kommt dem möglichen Außenseitersieg eine stabilisierende Funktion im Sinne der Chancengerechtigkeit zu.«

Zur Variation dieses eindimensionalen Prinzips verfügen die meisten Mannschaftssportarten über einen Pokalwettbewerb, in dem der Gunst des Augenblicks eine Chance zugebilligt wird. Bei glücklicher Fügung triumphieren Amateure über Profis, in der Fußballhistorie spricht man noch immer über den sensationellen Sieg des fränkischen Regionalligisten TSV Vestenbergsgreuth über den FC Bayern München vom 14. August 1994. Zu den Spielern des Dorfklubs bei Fürth gehörte übrigens Frank Schmidt, der als Trainer des FC Heidenheim maßgeblich an der Legendenbildung eines Underdog-Clubs beteiligt war. Innerhalb des Sportsystems kommt dem möglichen Außenseitersieg eine stabilisierende Funktion im Sinne der Chancengerechtigkeit zu. David besiegt Goliath, eine biblische Konstellation. Anstrengung und Geschick lohnen, nichts ist unmöglich. Es kann kaum verwundern, dass sportliche Grundsätze für gängige Werbefloskeln herangezogen werden.

Trotz alledem kommt im Sport ein retardierendes Moment zur Geltung. Während seit der Durchsetzung neoliberaler Wirtschaftspraktiken auf Risikodynamik und Deregulierung gesetzt wird, haben im Sport Gesetzmäßigkeiten eines kontinuierlichen gesellschaftlichen Aufstiegs ihre Gültigkeit behalten, die Helmut Schmidt als Bundeskanzler einmal auf die Formel »Etwas lernen, etwas leisten« gebracht hat. Um Aufstieg als Produkt verlässlicher Tugenden wie Fleiß und Anpassungsfähigkeit war es bald

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