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Noch ein langer Weg für die Geschlechtergleichstellung Prüfstein für die Demokratie

»Lieber gleichberechtigt als später.« – Der alte Spruch der bundesdeutschen Frauenbewegung ist kaum noch zum Lachen, denn die Gleichberechtigung geht nur langsam und zäh voran. Zwar wurde an vielen rechtlichen Gleichstellungsschrauben gedreht – 1918 erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht, in den 70er Jahren wurde ein partnerschaftliches Ehemodell eingeführt und Frauen konnten nun unabhängig von der Zustimmung ihres Ehemannes einen Beruf ergreifen sowie ein Bankkonto eröffnen, die EU kippte die diskriminie­renden Leichtlohngruppen, Maßnahmen gegen Gewalt seit den Nullerjahren sollen das Leben von Frauen sicherer machen. Ddoch nach wie vor sind Frauen in allen Bereichen des Lebens benachteiligt undwerden ungerecht behandelt. Deutschland gehört im Global Gender Gap Report 2025 des World Economic Forum zwar zur globalen Gleichstellungsspitzengruppe und liegt auf Rang 9, fiel aber im Vergleich zu 2023 um 3 Plätze zurück. In vielen gesellschaftlichen Bereichen hält sich Geschlechterungleichheit hartnäckig.

Politische Unterrepräsentation

Trotz der langen Zeit rechtlicher politischer Gleichstellung weist die Bundesrepublik eine Unterrepräsentation von Frauen in politischen Entscheidungsgremien auf – der Frauenanteil im derzeitigen 21. Deutschen Bundestag liegt bei 32,4 Prozent und ist im Vergleich zu 2021 um 3,3 Prozentpunkte gesunken, verursacht durch den höheren Abgeordnetenanteil der AfD, die Frauenquoten ablehnt. In einigen Bundesländern liegt der Gender Gap allerdings noch höher: Stand März 2026 betrug der Frauenanteil im Brandenburger Landtag 28,4 Prozent, jener in Bayern nur 24,6 Prozent. Diese eklatante Unterrepräsentation lässt sich durch die lange Tradition, die den politischen Raum als männlich begreift und die geschlechterkodierte Trennung zwischen öffentlich und privat perpetuiert, erklären. Frauen sind trotz Quotenregelungen nach wie vor Fremde in der Politik. Und in Parteien als Gatekeeper parlamentarischer Repräsentation verhindern Männerbünde oft die regelkonforme Umsetzung von Quotenvorgaben.

Vor allem im Bereich der Arbeit sind Frauen noch immer benachteiligt. Dies liegt daran, dass kapitalistische Gesellschaften die Sorgearbeit externalisieren: Sorge um das Leben, um Gesundheit, um kranke und alte Menschen sowie um Kinder wird tendenziell aus der ökonomischen Wertlogik ausgeschlossen, kaum anerkannt und nicht oder schlecht honoriert. Sie soll vor allem von Frauen unentgeltlich geleistet werden. Diese Vorstellung aus den Anfängen der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wurde in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg im Modell des männlichen Familienernährers und der weiblichen Hausfrau und Mutter gesetzlich abgesichert. Noch heute macht das steuerliche Ehegattensplitting die Entscheidung, dass Ehefrauen keiner Erwerbsarbeit nachgehen, gleichsam rational, weil günstiger für das Familieneinkommen.

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