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Warum Empathie für Andere cooler ist als etwa aufgeheizte Debatten über vegane Schnitzel Sich für Menschen Erwärmen

Was hat uns das Internet nicht alles versprochen? Dass es die Welt demokratischer macht, dass es Freundschaften pflegt und Menschen zusammenbringt. Genau das Gegenteil ist passiert. Es sind Freundschaften auseinandergegangen, es sind Gräben in die Gesellschaft gerissen worden, die kaum mehr zuzuschütten sind und es hat sich eine Diskussionskultur durchgesetzt, die auf Hass, Hetze und Ausgrenzung aufbaut und nicht auf Zuhören und Verständnis.

Viele agieren nach dem Motto: Nur weil etwas Fakt ist, muss es ja nicht stimmen. Jeder Hirnfurz bekommt inzwischen Millionen von Klicks. Aber ein Hirnfurz mit einer Million Klicks ist ja trotzdem ein Hirnfurz. Es gilt: Lautstärke geht vor Recherche. Aber bitte lasst uns nicht vergessen: Die lautesten Brüller haben aber oftmals nicht die leiseste Ahnung.

»Was geht einem verloren, wenn andere etwas zugestanden bekommen?«

Ehe für alle, gendern oder vegane Schnitzel – das sind nur drei Themenkomplexe, von denen jeder Einzelne problemlos in der Lage ist, jede Familienfeier mit sofortiger Wirkung zu sprengen. Und da ist von der Wärmepumpe noch gar nicht die Rede. Ich finde, dass wir auf diesen Feldern unbedingt unterschiedlicher Meinung sein können. Auch ich mag ein Kalbsschnitzel manchmal lieber als die vegane Variante. Aber was treibt einen Markus Söder um, wenn er nimmermüde Würste postet? Was will er damit verteidigen? Echtes Fleisch? Really? Mir wäre ein echter Politiker auch lieber als Söder. Aber man nimmt halt, was man bekommt.

Und was geht einem verloren, wenn andere etwas zugestanden bekommen? Bei der »Ehe für alle« zum Beispiel. Schwule dürfen heiraten. Ja und? Wenn du es nicht willst, dann lass es! Keiner muss. Wenn du lieber mit deiner Frau verheiratet bist, dann Glückwunsch. Keiner wird gezwungen, schwul oder lesbisch zu werden. Und glaubt mir: Auch Kinder werden nicht schwul, weil es jetzt die »Ehe für alle« gibt. Es muss auch niemand sein Geschlecht ändern. Wirklich nicht. Ole und Sven dürfen Männer bleiben. Aber sie dürfen heiraten. Aber nur, wenn sie wollen. Gerade in Regionen, in denen Frauen Mangelware sind, vielleicht eine Perspektive. Ronny heiratet Svenja. Auch wenn die einen Vollbart trägt.

Oder das Gendern. Ich weiß, es klingt mitunter gewöhnungsbedürftig. Aber was geht euch verloren, wenn es andere machen? Lass sie doch. Keiner wird gezwungen. Und wenn du gegen das Gendern bist, aber die Gleichstellung von Frauen und Transmenschen eine feine Sache findest, dann setz dich für Gleichberechtigung ein. Und wenn wir am Ende eine Gesellschaft haben, in der Frauen gleichberechtigt sind, mit gleichen Löhnen, gleichen Rechten und gleichen Chancen, ja, dann können wir vielleicht auch aufs Gendern verzichten.

Oder vegane Schnitzel? Wo ist das Problem? Wenn du es nicht willst, dann iss es nicht. Bis jetzt habe ich noch in keiner Metzgerei das Schild gelesen: Wurst ist abgeschafft, jetzt nur noch Dinkelbratlinge. Ist nicht so. Wenn du beim Fleischessen aber ein schlechtes Gewissen hast, weil Tiere leiden und getötet werden, tja, dann hör halt auf dein Gewissen. Aber mach doch nicht die Veganer dafür verantwortlich. Was können die dafür, dass du mit deiner Lebensweise nicht klarkommst?

»Parteien und gesellschaftlichen Gruppierungen ist es gelungen, uns gegeneinander auszuspielen.«

Kiffer gegen Bierzelthocker, Familien gegen Singles, Rentner gegen junge Menschen, Vegane gegen Fleischesser, der eine Nachbar gegen den anderen. Parteien und gesellschaftlichen Gruppierungen ist es gelungen, uns gegeneinander auszuspielen. Weil immer so getan wird, als würde das Zugeständnis eines Rechtes jemand anderem was wegnehmen. Rechte werden aber nicht weniger, wenn andere sie auch haben. Rechte führen zu einer gerechteren Gesellschaft. Von der haben am Ende alle was.

Warum können wir uns nicht mehr für andere freuen? Warum zählt nur das eigene Privileg und warum macht es uns glücklich, wenn anderen etwas versagt bleibt? Es werden Gruppen und deren Interessen gegeneinander ausgespielt mit dem Ziel, dass sich für beide Gruppen nichts bessert. Getreu dem Motto: Es wird nicht gegendert, dafür dürfen dann auch weiterhin Tiere gequält werden. Wir backen keinen Kuchen mehr, damit keiner ein zu großes Stück davon abbekommt. Und am Ende ändert sich am Status quo nichts.

Während benachteiligte Gruppen sich in der Arena gegenseitig die Köpfe einschlagen, sitzen die Privilegierten auf den Rängen und feuern das Treiben an. Weil so keiner mehr auf die Idee kommt, die Krisengewinnler zur Kasse zu bitten. Und am Ende bleiben die Ungerechtigkeiten in Sachen Bildung, Gesundheitssystem, Aufstiegschancen und Geschlechterfragen unangetastet. Hauptsache, beim veganen Schnitzel im E-Auto wird nicht gegendert.

»Die Sozialen Medien haben das Primitivste im Menschen hervorgebracht.«

Die Sozialen Medien haben das Primitivste im Menschen hervorgebracht und zu einem Geschäftsmodell werden lassen: Den Hass. Ich frage mich oft: Wo kommt er nur her, dieser Hass auf die anderen? Wann hat jemals Hass zu etwas Gutem geführt? Wann hat Hass jemals einen Krieg beendet, Gräben überwunden, Menschen zusammengeführt? Hass wird nicht mit Hass geheilt, sondern mit Liebe. Hass ist nicht das Gegenteil von Liebe. Hass ist das Gegenteil von Denken. Hass hilft ja nicht. Hass macht hässlich. Hass erzeugt nichts außer neuem Hass. Wir sollten Wuträume einrichten, wo sich die Wütenden der Welt Kissenschlachten liefern. Warum glauben so viele Hassende, dass ihr Hass gerechtfertigt sei? Hass ist nie gut. Hass führt zu Gewalt. Hass ist das Ende von Menschlichkeit und Zivilisation. Und Hass ist lächerlich. Wenn diese Hater in rumpelstilzchenhafter Erregung ihren Rotz ins Internet hauen, andere bedrohen, verunglimpfen, niederbrüllen. Wenn es nicht so ernst wäre, man könnte darüber lachen.

Weil sie sich selbst erniedrigt fühlen, erniedrigen sie andere. Versuchen dadurch den eigenen Schmerz zu lindern. Was natürlich nicht funktioniert. Hass heilt ja keine Wunden, Hass macht alles noch schlimmer. Weil sich der Hass meist gegen Schwächere richtet und nicht gegen die Verursacher der eigenen Erniedrigung. So ändert sich nichts.

Schafft die Ehre ab! Stärkt euren Selbstwert!

Und am Ende geht es immer um irgendeine Ehre, die verletzt wurde. Die Ehre der Familie, der Nation, der Religion, der männlichen Eitelkeit. Dann wird zugeschlagen, einmarschiert, erobert, Frauen werden ermordet, Völker vernichtet. Alles im Namen der Ehre, die nichts anderes ist als eine leere Hülle, die Unsicherheit verdeckt. Und Empathielosigkeit. Und Denkfaulheit. Zu doof zum Denken, aber zum Hassen reicht’s.

Macht Sport, geht an die frische Luft, lernt zu entspannen! Wertet euch auf, indem ihr etwas für euch tut und nicht indem ihr andere niedermetzelt. Wir sollten den Hass hassen und nicht andere Menschen. Und wir sollten mehr zweifeln. Wer zweifelt, kann nicht hassen. Um zu hassen, braucht es absolute Gewissheit. Jedes Vielleicht, jeder Zweifel stört da. Die Energie muss kanalisiert werden. Da darf keine Empathie aufkommen.

Elon Musk hat es in einem Podcast in seltener Offenheit gesagt: »Die fundamentale Schwäche der westlichen Zivilisation ist die Empathie«. Deshalb gibt es Soziale Medien. Um uns jeden Rest an Empathie auszutreiben. Hass ist ein Geschäftsmodell, weil Hass Aufmerksamkeit generiert und Verweildauer. Und weil man Menschen so voneinander entfremdet, dass sie die Einsamkeit füllen müssen: Mit Konsum, Klicks und falschen Freunden.

Hass darf man nicht mit Hass begegnen. Wer das tut, hat schon verloren. Ist auch zum Hassenden geworden. Hat sich dieser Verformung unterworfen. Wir sollten uns entscheiden, welche Prioritäten wir setzen: Kinder trösten, Freunde treffen, Nächte durchtanzen. Oder im Internet schlechte Laune verbreiten? Hass ist die schlechteste und gefährlichste Haltung zur Welt, weil Hass den Glauben an das Gute im Menschen ausradiert.

»Das Geschäftsmodell einer Gesellschaft ist das Verbindende, das Gemeinsame, die Solidarität.«

Und: Wir sollten schleunigst dazu übergehen, nach dem zu suchen, was uns verbindet. Wir haben uns viel zu sehr darauf fokussiert, das Trennende zu suchen. Auch, weil die Algorithmen der Sozialen Medien genau dieses Trennende zum Geschäftsmodell erklärt haben. Das Geschäftsmodell einer Gesellschaft ist aber das Verbindende, das Gemeinsame, die Solidarität. Ich weiß, wie schwer das ist. Aber welche Wahl haben wir? Und deshalb schaut hin und nicht weg. Wir müssen verstehen: Jede Schmähung, jede Drohung könnte auch Dich betreffen. Hass beraubt die Menschen ihrer Würde. Und es ist nicht deren Pro­blem. Es ist unser Problem. Weil wir nicht in Würde leben können, wenn andere ihrer Würde beraubt werden.

Verrat am Menschsein

Jedes abwertende Wort, jedes »Schwuchtel«, jedes »Spasti«, jedes »Kanacke«, jeder Affenlaut und jedes »Ausländer raus« ist ein Verrat an uns und unseren Werten. Weil es ein Verrat am Menschsein ist. Und wenn wir es zulassen, wenn wir wegschauen, wenn wir es verharmlosen, machen wir uns mitschuldig. Die Saat des Rassismus und der Ausgrenzung geht schnell auf. Und wenn der Hass erst mal freie Bahn hat, dann wird es immer schwieriger, sich ihm entgegenzustellen. Irgendwann wird es cooler sein zu hassen als zu lieben. Dabei sind wir nur Menschen, wenn wir lieben.

Wer Hass sät, wird Hass ernten. Und noch mal, damit es endlich alle verstehen: Wer Hass sät, wird Hass ernten. Der Hass braucht nur wenige Sekunden, um zum Herzen zu gelangen. Aber Jahre, um den Weg da wieder rauszufinden. Die Antwort heißt: Liebe. Unglaublich uncool, ich weiß, aber unglaublich wirksam.

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