Die großen politischen Denktraditionen sortieren sich entlang dieser Alternative: egoistische Freiheit versus solidarische Freiheit. Und letztlich ging es darum, welche Impulse staatliche demokratische Politik würde geben können, um Fortschritt für alle möglich zu machen, nicht nur für wenige.
Dass nun sogar die autoritäre Rechte im Namen der Freiheit aufzutreten versucht, mag durch eine gewisse Bevormundungsmentalität auf der Linken gefördert worden sein. Dringend ist es jedenfalls, den Rechten ihren völkisch-nationalistisch ausgrenzenden Freiheitsbegriff nicht durchgehen zu lassen.
Vielleicht ist es die eigentliche Zeitenwende, dass sich Menschen von einer konstruktiven Demokratiedebatte abkapseln und Freiheit nur noch als ihr individuelles Recht verstehen, gegen alles und jedes zu sein und sich zu verweigern. Nicht nur die Grünen wurden ihnen als eine Art Anti-Freiheitspartei zum Feindbild. Sondern alle, die – vielleicht ja etwas staatsgläubig – auch über Ge- und Verbote diskutieren, um etwas zu bewegen.
Die große Idee des politischen Liberalismus hat parteipolitisch inzwischen viele Heimaten. Das ist gut und richtig so. Sozial verstandene Freiheit muss dabei ein Prinzip bleiben – eine unbeugsame, unüberwindbare Haltung gegenüber Kräften, die kulturelle Vielfalt verachten, die Zwillingsschwester der demokratischen Freiheit. Und die prägende Mitte in den offenen Gesellschaften muss für die Verknüpfung von Freiheit und Gerechtigkeit stehen. Muss aber auch immer neu zeigen, was das konkret bedeutet – statt nur wirtschaftsliberal zu schwadronieren, es müsse sich alles ändern.
Zu Beginn des Wahljahres 2026, in dem so vieles entweder stabilisiert oder zerstört werden kann, ist es an der Zeit, die Grundsatzfrage bewusst zu machen: Was Freiheit bedeutet, welche Verantwortung aus ihr folgt, dass der Begriff nicht ins umstürzende Gegenteil gedreht werden darf: Es lohnt, all das fordert Auseinandersetzung. Die Texte im Heftschwerpunkt machen Mut dafür.


Kommentare (0)
Keine Kommentare gefunden!