Dieses ist eher den Seiten davor zu entnehmen, die das Narrativ »Bildung für alle« entfalten und als »große soziale Frage unserer Zeit« mit Teilhabe, Aufstieg und sozialer Verantwortung verknüpfen. Dieses Narrativ hat eine Tradition seit den 1970er Jahren, in denen vor allem die SPD das zuvor verkrustete Bildungssystem öffnete, was u. a. die Abiturient:innen- und Studierendenzahlen deutlich steigen ließ.
Blickt man von heute auf die 1970er Jahre, kann man sich eines gewissen Neidgefühls ob der damaligen Aufbruchsstimmung nicht erwehren. Dabei befinden wir uns aktuell in einer Zeit der Transformation, der eine positive Aufbruchsstimmung guttäte – auch in Bezug auf eine sozialdemokratische Wissenschaftspolitik. Wie sich diese aktuell darstellt und was der Profilbildung nutzen würde, wird hier anhand von vier Kernbereichen dargestellt.
Hochschulzugang und Chancengerechtigkeit
Teilhabe und Chancengerechtigkeit sind Schlüsselbegriffe sozialdemokratischer Wissenschaftspolitik. Der Zugang zu Bildung und Wissenschaft soll unabhängig vom (elterlichen) Geldbeutel möglich sein, weswegen die SPD Studiengebühren ablehnt und Ausbau und Modernisierung der Studienfinanzierung fordert. In Bezug auf die jüngste Debatte um das BAföG stellte die SPD-Fraktion im Bundestag entsprechend klar, dass es mit ihr eine BAföG-Reform ohne Erhöhung der Leistungen nicht geben werde. Die nun beschlossene Novelle sieht – nach einiger Aufregung, weil der damalige Unionsfraktionschef Spahn die Erhöhung in Frage stellte – vor, dass Wohnkostenpauschalen ab dem Sommersemester 2027 erhöht werden und die Freibeträge ab dem Wintersemester 2028/29 jährlich angehoben werden – später als geplant, aber immerhin eine Aussicht für knapp 600.000 BAföG-berechtigte junge Menschen.
Im Sinne der Durchlässigkeit des Bildungssystems setzt sich die SPD weiterhin für den so genannten »dritten Bildungsweg« ein. Das Nachholen von Schulabschlüssen sowie ein Hochschulzugang ohne Abitur korrespondieren mit dem sozialdemokratischen Aufstiegsversprechen, das auch heute noch von hoher Relevanz ist: 2024 erreichte die Zahl der Hochschulabsolvent:innen ohne Abitur mit 70.000 einen Rekordwert (vgl. Analyse des CHE). Gleichzeitig beginnen aber immer noch nur zwei Prozent der Schüler:innen aus einem Nicht-Akademikerhaushalt ein Hochschulstudium (vgl. Hochschulbildungsreport des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft).
Gute Arbeit in der Wissenschaft
Die Kernforderung der Sozialdemokratie nach »Guter Arbeit« wird auch im Wissenschaftsbetrieb erhoben. Dabei geht es vor allem darum, verlässliche Karrierewege in einer Arbeitswelt zu schaffen, die traditionell stark auf befristeten Arbeitsverhältnissen basiert. Im Fokus stand dabei in den letzten Jahren insbesondere eine Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG), das die Befristung von Arbeitsverträgen in Wissenschaftseinrichtungen regelt. Das WissZeitVG steht in der Kritik, weil es für Forschende prekäre Arbeitsbedingungen und unsichere Karriereperspektiven schafft. Unter der Ampelkoalition wurde daher eine Reform vorangetrieben, nach deren Bruch aber zunächst gestoppt. In einem Positionspapier aus dem Dezember 2025 fordern forschungspolitische Sprecher:innen der SPD aus Bund und Ländern »Mindestvertragslaufzeiten vor und nach der Promotion und Schutzklauseln für Drittmittelbefristungen aus(zu)weiten«, um damit mehr Verlässlichkeit zu schaffen. Dies wurde im Referentenentwurf des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) aus dem Juni 2026 aufgegriffen, in dem Mindestvertragslaufzeiten für Erstverträge vor und nach der Promotion ebenso vorgesehen sind wie eine Höchstbefristungsdauer für Postdoc-Stellen. Die avisierten Zeiträume stellen aus sozialdemokratischer Sicht einen Minimalkonsens dar – neben Befristungsregeln gilt es verlässliche Karrierewege strukturell im Wissenschaftssystem zu verankern.
Der Teamgedanke soll das Einzelkämpfertum ersetzen.
Jenseits der Befristungsdebatte setzt sich die sozialdemokratische Wissenschaftspolitik daher für die Etablierung neuer, moderner Personalstrukturen ein, die sichere Perspektiven bieten. Ein Beispiel dafür sind die im Berliner Hochschulgesetz neu verankerten Personalkategorien »Researcher« und »Lecturer«. Es ist noch zu früh, hier Bilanz zu ziehen, aber
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