KI wird derzeit sehr unterschiedlich erzählt: als Produktivitätssprung, als nie dagewesener Jobkiller oder umgekehrt als schlichtes Werkzeug, als Muse, Therapeut oder gar als baldige Superintelligenz. Jede dieser Erzählungen ist Teil einer großen, kaleidoskopartigen KI-Erzählung; und zugleich ein Selfie, das die Kenntnisse, Ängste, Hoffnungen, die blinden Flecken und nicht zuletzt die Interessen derer widerspiegelt, die die Erzählung schufen. So rücken in jeder KI-Erzählung auch bestimmte Probleme und politische Handlungsfelder ins Zentrum, und andere in den Hintergrund.
In der folgenden Rezension soll es um drei aktuelle Publikationen zu KI gehen, die einen signifikanten Teil des KI-Kaleidoskops abdecken. In The AI Paradox thematisiert Virginia Dignum gesellschaftliche Verantwortung, Macht und demokratische Kontrolle von KI. Florian Butollo korrigiert in Das knappe Gut Arbeit die Erzählung vom Jobkiller KI und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Frage der gesellschaftlichen Verteilung zukünftiger Arbeit. Die dritte Publikation, AI 2027, veranschaulicht schließlich – recht drastisch – eine mögliche Eskalationsdynamik autonomer KI-Systeme, auch KI-Agenten genannt.
Verantwortung
Virginia Dignum ist Professorin für Responsible Artificial Intelligence an der Universität Umeå und leitet dort das AI Policy Lab. Ihr Buch The AI Paradox ist kein Lehrbuch, sondern eine politische Orientierung in acht Paradoxien.
Das »Agreement Paradox« fragt, warum eine gemeinsame Definition von KI so schwerfällt. Das »Intelligence Paradox« untersucht den wandernden Maßstab maschineller Intelligenz. Weitere Kapitel behandeln Gerechtigkeit, Regulierung, Macht, Superintelligenz und die Grenzen technischer Problemlösung. Die Paradoxien geben dem Buch einen klaren Aufbau und führen technische Fragen auf Institutionen, Werte und Machtverhältnisse zurück. Gelegentlich glätten sie die Widersprüche etwas stark; für ein nicht spezialisiertes Publikum funktionieren sie jedoch gut.
Dignums ART-Formel – Accountability, Responsibility und Transparency – bildet den Kern: Systeme müssen nachvollziehbar sein, Zuständigkeiten dürfen nicht im technischen Prozess verschwinden und Entscheidungen müssen überprüfbar bleiben.
»Auch wir Menschen lernen durch Wiederholung und Musterbildung.«
Weniger überzeugt die Grenze, die Dignum im »Intelligence Paradox« zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz zieht. Das Buch stellt KI als System der Muster- und Korrelationserkennung dem Menschen gegenüber, der über Abstraktion, Kausalität und Kontextverständnis verfüge. Damit warnt Dignum zu Recht vor Anthropomorphisierung. Doch die Gegenüberstellung gerät zu eindeutig. Auch wir Menschen lernen durch Wiederholung und Musterbildung und verwechseln regelmäßig Korrelation mit Kausalität. Moderne neuronale Netze wiederum bilden abstrakte Repräsentationen und können begrenzt generalisieren. Das macht Gehirn und KI nicht gleich. Die Unterschiede lassen sich jedoch besser durch den breiteren sensorischen Zugang des Menschen, evolutionäre und soziale Vorprägungen sowie die Möglichkeit aktiver Intervention erklären als durch eine ontologische Grenzmauer zwischen Gehirn und KI.
Für Dignums politisches Argument ist eine solche
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