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Literatur zu einem besseren Verständnis Chinas Strategische Empathie

Bei seinem ersten China-Besuch als deutscher Bundeskanzler Ende Februar 2026 überraschte der bis dato konsistent chinakritische Friedrich Merz mit seinem Plädoyer für eine »Ver­tiefung der umfassenden strategischen Partnerschaft« zwischen Deutschland und China. Hatte er doch zuvor stets betont, dass die »systemische Rivalität« zunehmend die Beziehungen dominiere. Im Rahmen seiner intensiven Vorbereitung hatten ihm jedoch deutsche Expert_innen empfohlen, auf das Trigger-Wort der Rivalität zu verzichten und stattdessen die von deutscher Seite insgeheim bereits beerdigte strategische Partnerschaft als »low-hanging-fruit« für eine atmosphärische Verbesserung mit Peking und seinem wichtigsten Gesprächspartner Staats- und Parteichef Xi Jinping zu nutzen.

Ambivalenz bezeichnet eine Form innerer Konfliktbewältigung.

Mitverantwortlich für die neuen Töne waren sicherlich auch die geopolitischen Umbrüche und eine zunehmend unberechenbare US-Administration sowie das Ein­geständnis, dass China trotz aller bilateralen Herausforderungen, dem wachsenden Ungleichgewicht in den Wirt­schafts­beziehungen und der Risiken für die deutsche Industrie als größter Handelspartner wichtig für die deutsche Wirtschaft bleibt. Der aufmerksame China-Beobachter konnte so mit­ver­folgen, welchen Spagat – verbunden gegebenenfalls mit einer Lernkurve – Merz für die Bewältigung der Ambivalenz der deutsch-chinesischen Beziehungen vollziehen musste.

Ambivalenz in der Gestaltung sozialer Beziehungen bedeutet, nach Möglichkeiten die unter­schiedlichen Sichtweisen, Absichten und Interessen der beteiligten Akteure zu erfassen. Ambi­valenzbewältigung bezeichnet eine innere Konfliktbewältigung, um im konkreten Fall neben dem geopolitischen Umfeld und der berechtigten Kritik an bestimmten Entwicklungen der chinesischen Innen- und Außenpolitik sowie einem daraus abgeleiteten Risikomanagement auch die Bereiche strategisch zu definieren und weiterhin zuzulassen, in denen Kooperation mit China im ureigenen Interesse Deutschlands – bzw. beider Länder liegt.

Drei Bücher helfen dabei, Chinas langfristige Strategie und die dafür genutzten Instrumente im internationalen Diskurs nachzu-vollziehen und wie Peking dabei kommuniziert.

Geopolitische Einordnung Chinas

Den Jahren der Diskursarmut während der Null-Covid-Politik in Pandemiezeiten folgte im Februar 2022 nahtlos die russische Invasion in der Ukraine. Pekings seitdem verfolgte »prorussische Neutralität« gehört bis heute zu den größten Belastungen in den Beziehungen Deutschlands und Europas mit China. Allerdings zeigt sich bei genauerer Analyse, dass es keine direkte chinesische Unterstützung für Russlands Angriffskrieg gibt und Pekings Beziehungen zu Moskau alles andere als eindimensional und unbelastet sind.

Sören Urbansky und Martin Wagner widmen sich dieser in China und Russland – Kurze Geschichte einer langen Beziehung. Die Autoren zeigen, dass sich hinter der mittlerweile auch in Peking kritisch bewerteten Parole »Grenzenloser Freundlichkeit«, eine komplexe Geschichte verbirgt, die von einer stetigen Dynamik wechselnder Dominanz und Partner­schaft geprägt war und in der sich Peking seinem großen Nachbarn gegenüber

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