Als im Februar 1990 der damals 54-jährige Verleger André Schiffrin aus dem Verlag Pantheon Books entlassen wurde, den sein Vater mitbegründet hatte und der an Random House verkauft worden war, zeigten sich viele in der Buchbranche alarmiert. Mag »gefeuert« zu werden in den Vereinigten Staaten üblicher sein als in Europa, so galt die Kündigung des äußerst erfolgreichen Schiffrin, der literaturhistorisch wichtige Autoren und Autorinnen entdeckt hatte, als beispiellos. Seine Leistung war der Geschäftsführung nicht mehr rentabel genug, schilderte Schiffrin später in einem Buch, das 2000 in der deutschen Übersetzung Verlage ohne Verleger erschien.
Seither ist auf dem Buchmarkt viel geschehen, und wie so oft könnte der Blick auf die Situation in den Vereinigten Staaten prognostisch auch für Trends in Europa sein. Die Verlagswelt befindet sich seit einer Generation in der »Ära der Konglomeration«, wie es der Literaturwissenschaftler Dan Sinykin von der Emory University in Atlanta in seiner 2023 erschienenen, bislang nicht ins Deutsche übersetzten Studie Big Fiction. How Conglomeration Changed the Publishing Industry and American Literature nennt. Sinykin konstatiert dem amerikanischen Buchmarkt eine Konzentration auf wenige große Konzerne, unter ihnen Amazon, die in den vergangenen Jahrzehnten extrem beschleunigt und durch den Turbokonglomerator Amazon noch verstärkt worden ist.
Großkonzerne schlucken kleine Verlage
Der größte Teil der Gewinne wird aufgeteilt unter wenigen Großkonzernen, die viele kleine Verlage geschluckt haben. Aus dem Verlag Random House, der damals Schiffrin entließ, ist durch Kauf des Penguin Verlags längst Penguin Random House geworden, heute der weltweit führende Verlag für Belletristik und Sachbücher, der fast 250 Imprints und Marken auf fünf Kontinenten umfasst und jährlich mehr als 15.000 neue Titel sowie 800 Millionen Druck-, Hör- und E-Books verkauft. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 10.582 Mitarbeiter. Unabhängige Verlage haben gegen einen solchen Apparat keine Chancen, nicht nur was das Marketing anlangt, sondern auch im Bezug auf Lizenzerwerbungen, Vorschüsse und Entlohnung der Mitarbeiter.
Wie Sinykin bemerkt, vertreibt Penguin Random House wie die anderen Verlagsgiganten inzwischen Bücher, E-Books, Hörbücher über Amazon.
Die Auswirkungen dieser Entwicklungen sind dabei eher enorm in Bezug auf
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