Dass sich die Sozialdemokratie – auch international – in einer tiefen Krise befindet, ist keine neue Erkenntnis. Eine Reflexion darüber findet allenfalls in den Kommentierungen der Fach- und Leitmedien statt. Die etwas kritischeren Medien beklagen ein fehlendes »soziales« oder »klassenbewussteres« Profil, konservativere raten eher dazu, die SPD müsse »pragmatischer« werden und sich zu einer etwas sozialeren CDU entwickeln. Doch in der Sozialdemokratie selbst ruht still der See. Intellektuell und strategisch scheint sich die SPD in eine Palliativstation für aussterbende Parteien begeben zu haben. Oder sie führt das, was sie immer gerne in ihrer Selbstbezüglichkeit tut: Personaldebatten.
Eine neue industrielle Revolution ist voll im Gange. KI, Automatisierung, Plattformökonomie, Energiewende – diese Umwälzungen sind nicht weniger fundamental als die Dampfmaschine im 19. Jahrhundert. In der ersten industriellen Revolution entstand die Sozialdemokratie. Erst als Zielbild, dann als Bewegung mit Chören, Bibliotheken, Werkstätten und Genossenschaften, danach als Partei. Sie fragte als Gegenkraft zu den herrschenden Mächten: Was bedeutet dieser Umbruch für die Menschen?
Wie schön wäre es, wenn Politik so strategisch sein könnte, wie viele fordern. Wenn kluge Analysen und langfristige Pläne konsequent verfolgt werden könnten, um Fortschritt zu erreichen. Doch leider scheitern auch die besten Pläne manchmal an den Wirren politischer Wirklichkeit, die oft eher einem wüsten Boxkampf mit unklaren Regeln gleicht.